Rocksmith: Videospiel oder Musikschule? [Test]

Eine Einleitung

Jedes Mal, wenn ich ein Konzert besuche, denke ich: E-Gitarre spielen ist schon saucool. Dieser Gedanke hat mich vermutlich dazu angetrieben, der gute Gitarrenspieler zu werden, der ich heute bin – an der Konsole. Ich möchte an dieser Stelle nicht angeben, aber ich bin ein ziemlicher Bad Ass bei Guitar Hero. Meine Finger fliegen förmlich über die fünf bunten Knöpfe am Hals der kleinen Plastik-Gitarre. Das hat aber überhaupt gar nichts mit dem Spielen einer echten Gitarre zu tun hat. Das habe ich gemerkt, als ich mir eine solche infolge meiner “herausragenden” Performance bei Guitar Hero angeschafft habe. Natürlich gleich eine E-Gitarre im kompletten Set. Ich dachte, das kann ja nicht so schwer sein. Habe ja schließlich Mr. Crowly von Ozzy bei Guitar Hero auf Profi durchgerockt. Es wird euch jetzt ein wenig überraschen, aber mein Geschrammel auf der E-Gitarre war fürchterlich. Der ganze Kram verschwand kurzerhand dorthin, wo unter anderem auch meine Spanisch-Lehrbücher zu finden sind: ganz hinten in der Ecke.

Rocksmith von Ubisoft

Rocksmith – die nächste Evolutionsstufe der Gitarrenspiele (…sagt Ubisoft)

Als ich dann irgendwann im letzten Jahr von Rocksmith gehört habe, war ich sofort angefixt und habe es mir gleich aus den USA mitgebracht. Bei uns ist es nämlich erst ab dem 27. September erhältlich. Besonders spannend an Rocksmith ist, dass man eine echte E-Gitarre an seine Konsole anschließen kann. In meinem Fall ist das eine PS3. Beim Spiel ist gleich das sogenannte Real Tone Kabel dabei. Das ist ein 6,35-mm-Klinkenstecker auf USB. Das Ganze wird sogar im Set inklusive E-Gitarre angeboten. Brauchte ich nicht. Habe ja eine.
Also, E-Gitarre aus der Ecke geholt, abgestaubt und ab dafür… 

Das Real Tone Kabel ist im Lieferumfang dabei.

In dem Moment, in dem man sich vor dem Fernseher die E-Gitarre umschnallt, wird einem der Unterschied zu Guitar Hero oder zu Rock Band, der ja eigentlich offensichtlich ist, erst richtig bewusst. Denn plötzlich spielt man nicht nur einen Rockstar, man ist einer – meint man jedenfalls. Oder, um es einfach mit den Worten von Fußballaltstar Andreas Möller zu sagen: Vom Feeling her hatte ich ein gutes Gefühl.
Kommen wir zum Spiel, und überspringen dabei mal das Menü wie auch das ganze Vorgeplänkel: Die Oberfläche sieht vertraut aus und erinnert stark an Guitar Hero oder Rock Band. Auch das Spielprinzip ist sehr ähnlich: Man sieht einen Gitarrenhals mit seinen verschiedene Bünden. Jede Saite hat eine eigene Farbe. Nämlich Rot, Gelb, Blau, Orange, Grün und Violett. Die einzelnen Noten kommen in entsprechenden Farben auf den Gitarrenhals “zugeflogen”, und werden dann vom Spieler korrekt gespielt, wenn dieser in dem Moment, in dem die Note auf den Gitarrenhals trifft, den richtigen Bund hält und die Saite mit der passenden Farbe spielt.

Das “Notenblatt” bei Rocksmith: Ähnlichkeiten mit Guitar Hero / Rock Band sind erkennbar.

So, wie ich das schreibe, hört sich das kompliziert an, ist aber ganz einfach – noch. Denn die zweite Note kommt gleich hinterhergeflogen…und dahinter kommt eine dritte, eine vierte usw. Blitzschnell merkt jetzt der Spieler, dass er wirklich ein Musikinstrument in Händen hält, und kein Plastikspielzeug. Denn es gilt 132 “Knöpfe” zu bearbeiten, anstatt der fünf bei Guitar Hero. Aber keine Panik. Rocksmith passt das Tempo automatisch eurem Können an. Das ist praktisch und wird jähzornige Spieler davon abhalten, ihre Gitarre schon nach kurzer Zeit an der Wand zu zerschmettern.

Das wäre auch schade, wenn die Flinte zu früh ins Korn geschmissen wird, denn es macht wirklich Spaß Titel wie “(I Can’t Get No) Satisfaction” von den Rolling Stones mit zu spielen, wenn man den Dreh einmal raus hat. Die Playstation ersetzt dabei den Verstärker und erzeugt einen realistischen satten E-Gitarren-Sound. Ich habe meistens mit Kopfhörern gespielt, da das Klingen der Metallsaiten an meiner Gitarre recht laut gewesen ist. Im Video hört man das ganz gut :)

Weiter geht’s: Nach den einzelnen Noten kommen Techniken wie Hammer-Ons und Pull-Offs an die Reihe. Es beginnt anspruchsvoll zu werden, und man merkt, dass man nicht weiterkommt, wenn man Rocksmith wie ein simples Computerspiel angeht. Man muss üben. Üben, üben, üben. Spätestens, wenn Akkorde an der Reihe sind. Dann muss man die Griffe auswendig lernen. Und weiter üben. Dabei helfen dem Spieler unter anderem viele anschauliche Videotutorials wie auch Minigames, die wirklich Spaß machen. So wird man mit der Zeit immer ein Wenig besser. Insgesamt bietet Rocksmith dem Spieler viele Möglichkeiten. So viele, dass ich sie alle gar nicht ausprobiert habe. Aber gerade erfahrene Gitarristen oder fortgeschrittene Rocksmith-Spieler können sich richtig austoben. So gibt es mehrere Möglichkeit den für sich perfekten Sound zu finden. Dafür stehen zum Beispiel mehrere unterschiedliche virtuelle Vertärker oder Boxen zur Verfügung – jedenfalls dann, wenn man sie freigespielt hat.

Videospiel oder Musikschule?

Rocksmith rockt im wahrsten Sinne des Wortes. Und wer am Ball bleibt, der wird seinen Spaß damit haben. Ich bin sogar davon überzeugt, dass man das Gitarrespielen bis zu einem gwissen Grad mit Rocksmith lernen kann. Es ist halt Übungssache, so wie es bei einem Musiklehrer auch wäre. Wer also Interesse daran hat, Gitarre auf eine spielerische Art und Weise zu lernen, sollte es ruhig mit Rocksmith versuchen. Die Frage aus der Headline lässt sich damit meiner Meinung nach nicht eindeutig beantworten. Rocksmith hat von beidem etwas, und findet dabei eine gute Balance. Ich für meinen Teil, werde in Zukunft erst einmal wieder Knöpfe drücken, anstatt Saiten zu spielen, da mir die Zeit für Rocksmith fehlt. Bis ich vom nächsten Konzert komme und denke, es wäre eigentlich ganz cool, wenn ich Gitarre spielen könnte. (Peter)

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