Guild Wars 2 … einsteigertauglich ?! [Test]

Quelle: Arenanet, Guild Wars 2 Asset-Kit, www.guildwars2.com

Guild Wars 2 ist da…endlich. Denn jetzt hat der Hype hoffentlich bald ein Ende.

In unregelmäßigen Abständen steht der Start eines neuen Online Rollenspiels ins Haus. Und nahezu jedes Mal wird ein solcher Launch von den Hoffnungen der Community begleitet, das neue Spiel könne in Qualität, Langlebigkeit und Langzeitmotivation dem Branchenprimus World of Warcraft das Wasser reichen. Aufgrund teilweise überzogener Vorstellungen auf Seiten der Spieler und oftmals verfrühten Starts durch die Publisher blieben allerdings bisher alle Herausforderer deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Quelle: Arenanet, Guild Wars 2 Asset-Kit, www.guildwars2.com

Mit Guild Wars 2 (GW2) schickt sich nun aber ein Spiel an, ein Stück vom Massive Multiplayer Online (MMO)-Markt zu sichern, das scheinbar solide technische Grundlagen mitbringt und über das die weite Mehrzahl der Betatester nur Gutes zu berichten wusste. Da GW2, genau wie der Vorgänger, entgegen des immer noch geltenden Genrestandards keine monatliche Abogebühr fordert, ist es mit Sicherheit auch für Spieler interessant, die sich bislang noch nicht mit Online Rollenspielen auseinander gesetzt haben. Einmal zahlen und spielen klingt prima…doch ist es wirklich so einfach?

Ich spiele das Spiel jetzt seid ziemlich genau einer Woche und habe es mal insbesondere unter dem Gesichtspunkt der Tauglichkeit für Einsteiger betrachtet. Immerhin hat Saturn gestern seine Spiel-Charts veröffentlicht und führt GW2 auf Platz 1. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass der eine oder andere das Ding im Laden in die Finger bekommt und sich fragt, ob die Investition lohnt.

Und welchen Prozentwert gebt ihr dem Spiel?

Gar keinen! Dies ist kein klassischer Computerspiel-Test. Das können andere viel besser. Hier gibt’s keine Prozentpunkte für den Gesamteindruck, keine Grafikbenchmarks und keine Analyse der Soundqualität. Hier soll’s einfach nur um die Fragen gehen, ob das Spiel Spaß macht und wer mitmachen kann oder wer vielleicht besser die Finger davon lässt.

Quelle: Arenanet, Guild Wars 2 Asset-Kit, www.guildwars2.com

Am Anfang war das Wort…

Und das besagte Wort lautet in diesem Fall “kaufen”, denn ohne eine eigene Kopie von GW2 läuft erstmal gar nichts. Der Spielehändler des Vertrauens dürfte weiterhelfen ebenso wie es eigentlich die Möglichkeit gibt, das Spiel auf der Homepage des Herstellers zu erstehen. Allerdings musste Arenanet den Verkauf der digitalen Verkauf vorübergehend einstellen, weil die Server wohl völlig überlastet waren. Zu viele Spiele verkauft – klingt nach einem Luxusproblem!

Das Unboxing…

…fällt recht kurz aus. Es gibt nämlich keins. Eigentlich wollte ich hier genüsslich die Collector’s Edition auspacken aber ich habe mich dann doch kurzfristig für die digitale Deluxe Edition entschieden. Normalerweise bin ich ein großer Fan von Sammlerausgaben aber die Publisher gehen immer mehr dazu über, die Bonusgegenstände für das Spiel auch in die digitale Versionen zu stecken und die “Hardware”-Variante durch völlig nutzlose Figuren und Statuen erstens zu verteuern und zweitens zu monumentaler Größe anwachsen zu lassen.
Der Mehrwert einer solchen Collector’s Edition ist mir nicht 80 Euro Aufpreis wert. Scheinen nicht alle so zu sehen, weil sich die CE wohl auch glänzend verkauft hat.

Quelle: Arenanet, Guild Wars 2 Asset-Kit, www.guildwars2.com

Läuft das denn bei mir?

Wie gesagt, Benchmarks haben wir hier nicht. Ich spiele das Spiel auf einem aktuellen 27″ iMac mit einer Radeon HD 6970M unter Bootcamp/Win7. Das ist alles andere als klassische Spielehardware. Mit den automatischen Grafikeinstellungen läuft das Spiel komplett flüssig. Bei maximalen Einstellungen läuft es auch – aber etwas hakelig.
Und wenn wir schon beim Equipment sind. Ich nutze eine Razer Black Widow Ultimate Tastatur, eine Razer Naga MMO Gaming Maus und das Razer 7.1 Megalodon Headset (und nein, die sponsern mich – leider – nicht) ;-)

Und wann geht’s endlich los?

Kurze Antwort: Wenn das Spiel gepatcht ist. Lange Antwort: Egal ob ich mir das Spiel im Laden gekauft oder die digitale Version bezogen habe (was natürlich mit einem gewaltigen Download von mehreren GB verbunden ist), anschließend wird installiert und dann muss die Client Software erstmal auf den aktuellen Stand gebracht werden.
Während der Installation bzw. des Patch-Vorgangs fordert das Spiel dazu auf, einen eigenen Account anzulegen. Das ist zwingend notwendig – sonst gibt’s keinen Zugang.
Das dürfte bei einem Online Rollenspiel aber nicht wirklich verwundern. Da GW2 keine Abogebühren verlangt sollte zumindest die Angabe einer Bankverbindung o.ä. entfallen (ich konnte das nicht überprüfen weil ich meinen alten GW1 Account weiterverwendet habe).

Watt, wer bist du denn?

Wenn alle technischen und administrativen Hürden genommen sind, kann es jetzt wirklich losgehen. Wer also bis dahin nicht die Lust verloren hat, steht jetzt vor dem Problem, sich einen Server auszuwählen und eine Spielfigur, einen Charakter zu erstellen. Aber statt das jetzt umständlich zu erklären, habe ich es einfach in einem Video festgehalten:

Ich denke, die Charaktererstellung ist auch für einen absoluten Anfänger unfallfrei zu bewältigen. Ob man nachher die Rasse und Klasse gewählt hat, die einem am meisten Spaß macht, zeigt sich ohnehin erst nach etwas Spielpraxis.

Erst krabbeln, dann laufen.

Die ersten Schritte in einem Onlinerollenspiel vergisst man meiner Erfahrung nach so schnell nicht. Man schaut sich erstmal mit großen Augen um und bestaunt die digitale Landschaften die das Grafikteam des Entwicklers virtuell herbeigezaubert hat. Alles ist neu, alles ist aufregend. Gleichzeitig muss man sich an die Steuerung gewöhnen und sich im Spiel erstmal zurecht finden. Zwei Methoden sollen Einsteigern dabei in der Regel helfen. Tooltips weisen den Weg durch die Tastatur und Mausbefehle. Gleichzeitig sind die ersten Aufgaben so angelegt, dass sie nicht überfordern, sondern in angemessener Geschwindigkeit ins Spielgeschehen einführen.
In GW2 sieht das dann wie folgt aus:

Ich hatte persönlich den Eindruck, dass man es Anfängern an diesem Punkt auch leichter machen kann. Überragend ist aber das Erzähltempo der ersten Aufgaben. So ziemlich jedes MMO lässt einen am Anfang sprichwörtlich Schweine im Wald von Elwynn jagen (South Park Fans werden wissen was gemeint ist) und eine Zahl zwischen 1 und 10 mehr oder weniger harmloser Gegner erledigen. Einen Kampf in der Größenordnung vom Ende des Startgebiets der Norn in GW2 habe ich bisher noch nicht erlebt. Das macht Laune und definitiv Lust auf mehr.

Wo bitte geht’s denn hier lang?

Eine gesonderte Herausforderung für den Entwickler ist es, den Spieler an einem roten Faden durch den Inhalt des Spiels zu ziehen ohne das er das Gefühl hat, sich auf Schienen durch das Spiel zu bewegen. Zwar sind wir mitten im Zeitalter der Sandbox Spiele, wo die grenzenlose Freiheit gilt aber gerade MMO Anfänger dürften dankbar sein, wenn man sie mehr oder weniger subtil auf die nächste Aufgabe aufmerksam macht. Hinzu kommt die Orientierung in einer völlig neuen Welt. Man stelle sich vor, man würde irgendwo über einem fremden Land mit dem Fallschirm abgeworfen und müsse sich dort nun zurechtfinden. Ich fahre ja nicht mal ohne Navi in die nächste Stadt.

In GW2 wurde das wie folgt angegangen:

Die Erklärung der Symbolik auf der Karte und die Orientierung mit der selbigen funktioniert ähnlich gut wie das Heranführen an die nächste Quest.
Ich hatte in meiner ersten Spielwoche jedenfalls nie das Problem ohne Idee dazustehen, wo es weitergehen könnte.

Instanz – kann man das essen?

Man merkt GW2 an, dass die Entwickler durchaus versucht haben, es massentauglich zu machen und auch für neue Spieler zu öffnen. Sie dürften nichts desto trotz davon ausgegangen sein, dass sich die Masse der Spieler aus MMO-Veteranen rekrutieren wird. Daher wurde an vielen Stellen ein gewisses Grundwissen vorausgesetzt. So zum Beispiel, wenn man mir nichts, dir nichts (und meiner Meinung nach auch völlig unnötig) mit dem Begriff “Instanz” konfrontiert wird. Solche besonderen Spielzonen trifft man normalerweise im Zusammenhang mit Gruppenaufgaben an, damit man sich auf die Quest konzentrieren kann und nicht durch andere Gruppen gestört wird. Es ist aber mittlerweile schon Usus eine solche Instanz auch für Solo-Quests zu verwenden.

Hier ein Beispiel dafür:

Die erste Instanz ist weder schwer noch besonders aufregend. Die Tatsache, dass man alleine in der Zone ist, fällt im ersten Moment auch nicht weiter ins Gewicht. Die Belohnungen sind mäßig und animieren eigentlich nicht der nächsten Instanz entgegen zu fiebern. Persönlich hatte ich den Eindruck, dass man hier etwas vom aufgebauten Momentum verspielt hat. Einem Anfänger dürfte nichtmal aufgefallen sein, dass er sich in einer besonderen Zone an einer besonderen Stelle in seiner persönlichen Geschichte aufgehalten hat.

Schon wieder Monster hauen…laaangweilig!

Da beisst die Maus keinen Faden ab. Der Alltag des Online Helden besteht nun mal aus Monster und Gegenspieler vermöbeln, um an bessere Ausrüstung zu kommen, um dann wiederum stärkere Monster und Gegenspieler vermöbeln zu können. Langzeitmotivation entsteht oftmals dann, wenn man vom Helden-Einerlei die Nase voll hat und etwas Abwechslung braucht. GW2 bietet auf den ersten Blick sowohl den Kriegsmüden als auch den Pazifisten Gelegenheit, die Spielewelt Tyria zu erkunden und dabei die eine oder andere Nuss zu knacken.

Eine solche alternative Herausforderung gibt’s hier zu sehen:

Ich denke, dass GW2 das Problem der inhaltlichen Alternativen ganz gut gelöst hat. Als Anfänger muss eigentlich nur die Karte aufmachen und das nächste Symbol ansteuern. Und wenn da anscheinend nichts los ist, gilt es auszuknobeln, warum das Symbol da ist. So hat man nicht nur immer was zu tun sondern erforscht nach und nach die gesamte Spielwelt.

Eine ordentliche Keilerei geht immer!

Trotz allem ist das Herzstück von GW2, wie auch beim Vorgänger, der Spieler gegen Spieler Kampf, kurz PVP (für Player versus Player). Und hier trifft ein Anfänger oder Neueinsteiger zum ersten Mal auf eine richtig harte Nuss. Wie bei jedem Spiel mit wettbewerbscharakter fällt auch in GW2 kein Meister vom Himmel und es wird eine nie enden wollende Zahl von Spielern geben, die besser sind als man selbst. Davon sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen, sondern es als Herausforderung verstehen und üben um am Ende vielleicht ganz vorne mitzumischen.
Wer in Bezug auf das PVP auf den Geschmack kommen will, der kann sich hier schonmal Appetit holen:

Das PVP ist meiner Meinung nach nicht einsteigertauglich. Anfänger im MMO Genre sollten sich erstmal ein wenig mit der Welt und Spielmechanik vertraut machen, denn auf den Schlachtfeldern gibt’s leider kein Erbarmen und das Frustpotential ist hoch. Das ist kein spezielles GW2 Problem sondern zieht sich durch alle MMOs mit PVP Modus.

Ich bin aber eher so der Typ “Lonesome Cowboy”?!

Onlinerollenspiele sind per se darauf ausgelegt mit anderen Spielern gemeinsam (oder gegeneinander) Abenteuer zu bestehen. Die Zeiten in denen man sich gezwungenermaßen Gruppen suchen musste, sind Gott sei Dank vorbei. Der Trend geht zu ad hoc Gruppen, die sich grundsätzlich unverbindlich und nur für die nächste Aufgabe zusammentun und dann wieder getrennter Wege gehen. Warhammer Online hat seinerzeit damit angefangen, Rift hat die Idee weiterentwickelt und GW2 setzt nun auch voll auf das Prinzip der dynamischen Events. Für einen Einsteiger bedeutet das, dass er einfach mitmischt wenn so ein Event läuft oder sich auch Mal zurücklehnen und zuschauen kann, ohne gleich im Chat beleidigende Dinge über die eigene Mutter lesen zu müssen. Belohnt wird man am Ende nach dem Engagement, das man an den Tag gelegt hat. Ein perfektes System, um sanft in das Spiel reinzukommen. Man kann in der Gruppe spielen – man muss es aber nicht.

Quelle: Arenanet, Guild Wars 2 Asset-Kit, www.guildwars2.com

Bin überzeugt – wo kann ich unterschreiben?

Es gibt unendlich viele gute Zeitpunkte in ein MMO einsteigen – der Launch ist normalerweise keiner davon. Wie seine Vorgänger ist auch GW2 noch nicht komplett fehlerfrei und leidet unter vielen Problemen in der Kommunikation mit den Servern. Einloggen nicht möglich, Charakter erstellen nicht möglich, authentisieren des Accounts nicht möglich – die Liste liesse sich noch deutlich verlängern. Zweifelsohne werden Technik und Support diese Probleme irgendwann in der Griff bekommen – aber das dauert halt. Zwar wurde das Spiel bereits in diversen Stresstests unter Last gefahren aber die Erfahrung der letzten Spielestarts hat gezeigt, dass das trotzdem niemals den richtigen Ansturm beim Launch abbildet.
Beispiel gefällig? Mir ist direkt am Anfang – also vor einer Woche – ein echtes Malheur passiert. Weil die Screen Capture Software Fraps nicht richtig lief, musste ich nochmal komplett neu anfangen. Deswegen hab ich meinen Charakter Grindolf gelöscht und anschließend neu erstellt. Dummerweise hatte ich meine Bonusgegenstände schon empfangen und die sind jetzt zusammen mit meinem ersten Charakter im digitalen Nirvana verschwunden. Ich hab mich hilfesuchend an den Support gewandt – bis jetzt ohne Reaktion!!

Quelle: Arenanet, Guild Wars 2 Asset-Kit, www.guildwars2.com

Fazit

Ja, Guild Wars 2 macht Spaß und ja, Guild Wars 2 taugt auch für Einsteiger und Anfänger. Allerdings sollte man sich selber einen Gefallen tun und noch ein paar Wochen warten, bis die Kinderkrankheiten im Griff sind. Im Moment birgt das Spiel noch erhebliches Frust-Potential was in letzter Konsequenz nur dazu führt, dass man entnervt die Segel streicht und nicht weiterspielt. Das wiederum hätte das Spiel nach meinem ersten Eindruck nicht verdient. Wer eine gewisse Abenteuerlust und/oder eine Portion Pioniergeist in sich trägt, kann natürlich auch schon gleich durchstarten. Aber sagt nachher nicht, ich hätte euch nicht gewarnt!
Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass der Einstieg in so ein Spiel mit jemandem der sich halbwegs auskennt, deutlich leichter fällt.
Egal wie ihr es angeht – solltet ihr dem Ruf zu den Waffen folgen und Tyria durchstreifen wünsche ich vorsorglich schon mal viel Spaß! (Marco)

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