iPhone 5 – Erwartungen erfüllt? [Test]

Stell’ dir vor die Experten sind vom iPhone 5 enttäuscht…und den Kunden interessiert das nicht. Zwei Millionen Vorbestellungen allein in den ersten 24 Stunden scheinen eine eindeutige Sprache zu sprechen: Die Leute wollen ein iPhone – weil’s halt ein iPhone ist und nicht weil es den größten Bildschirm, das dünnste Gehäuse oder irgendein bestimmtes Betriebssystem hat.

Am Freitag wurden nun die ersten Geräte ausgehändigt oder ausgeliefert. Mancher Fan hat sogar tagelang vor einem Apple Store ausgeharrt, um unter den ersten zu sein, die das Handy mit nach Hause nehmen können. Andere haben es sich einfach pünktlich per Post nach Hause kommen lassen. In diesem Zusammenhang gilt es ausnahmsweise auch mal die Telekom und die Lieferdienste zu loben. Meine Vorbestellung vom 15.09. kam am Freitag Mittag pünktlichst mit DHL an!

Man kann davon ausgehen, dass sich die Aufregung um Apples neusten Wurf in den nächsten Tagen zügig legen wird. Das Gerede über zerkratzte Rückseiten und mangelhafte Karten wird irgendwann zur Randnotiz der iPhone 5 Ära werden, so wie es auch schon “Antennegate” beim iPhone 4 und der Diskussion um ungünstige LTE-Frequenzen beim iPad 3 erging.

Für mich sind die ersten drei Tage mit dem Gerät rum. Hier ist mein Eindruck vom neuen iPhone.

Willkommen in der Familie!

Display

Die auffälligste Veränderung gegenüber dem Vorgänger ist sicherlich das Display. Das der Bildschirm diesmal größer werden musste, war sicher allen klar. An der Form die Apple letztlich gewählt hat, scheiden sich allerdings die Geister. Das Anwachsen auf vier Zoll kam ausschließlich der Höhe und nicht der Breite zu Gute, was jetzt ein klassisches 16:9 Format ergibt aber auf den ersten Blick doch fremd wirkt. Apple begründet die Entscheidung mit der optimalen Darstellung von Videos und einem angenehmerem Handling. Letzteres kann ich bestätigen, weil man bei einer einhändigen Bedienung ohne Probleme mit dem Daumen alle Ecken des Displays erreicht.

Keine Akrobatik erforderlich…

Obwohl die ungewöhnliche Form des Bildschirms im ersten Moment seltsam wirkt, stellt sich nach kurzer Eingewöhnung doch ein angenehm vertrautes Gefühl ein – bis auf eine Icon-Zeile mehr, ändert sich an der Menüführung nämlich nichts. Auch Apps, die noch nicht an die neue Auflösung angepasst wurden, werden per schwarzen Balken oben und unten in ihrem ursprünglichen Format gehalten und nicht skaliert oder verzerrt.

Nicht alle neuen Features werden publikumswirksam diskutiert

Über das Retina Display muss man heutzutage keine Worte mehr verlieren aber, die technischen Änderungen, die am Touchscreen vorgenommen wurden, um die Darstellungsqualität zu erhöhen, sind voll eingeschlagen. Wer sich den Luxus leistet, Batteriezeit gegen höhere Helligkeit zu tauschen, bekommt jedes Mal wenn der Bildschirm anspringt ein spektakuläres und kristallklares Farbenspiel zu sehen. In Sachen Wow-Effekt hat das iPhone 5 damit für mich auch wieder die Nase gegenüber einem HD Amoled Display vorn, das dem Apple Retina Display in Sachen Farbbrillianz zuletzt deutlich den Rang abgelaufen hat.

Design

Gutes besser zu machen ist eine Kunst und Apple beherrscht diese wie kein zweiter. Viele dürften – wie ich auch – lange der äußeren Form des iPhone 3G nachgetrauert haben. Das iPhone 4 sieht edel aus, keine Frage, aber beim Handling büßt es diesen guten Eindruck aufgrund seiner Kantigkeit schnell mal wieder ein. Das iPhone 5 hat die klare Linie seines Vorgängers geerbt, wurde aber an den richtigen Stellen überarbeitet. Es hat sich etwas in die Länge gestreckt und ist wirklich merklich dünner.

Worte erübrigen sich…!

Dazu kommt ein erstaunlicher Gewichtsverlust – vor allem im direkten Vergleich mit einem iPhone 4. Das ursprüngliche iPhone bzw. das iPhone 3G, bisher von mir vor allem wegen der runderen Form geschätzt, wirkt dagegen mittlerweile etwas…unelegant. Ich möchte jetzt jedenfalls nicht mehr tauschen.

Performance

Ich bin kein Freund von Benchmarks, sondern verlasse mich lieber auf meinen persönlichen Eindruck. Und der ist in Bezug auf das iPhone 5 eindeutig: Es ist rasend schnell…und ich hab noch nichtmal LTE gebucht. Die Animationen auf dem Homescreen sind 100% flüssig, keine Spur von Trägheit im Wechsel der Seiten. Apps starten blitzschnell und lassen sich ebenso fix bedienen. Der Kamera hat man die Auslöseverzögerung, mit der ich noch beim iPhone 4 zu kämpfen hatte, de facto abgewöhnt.

8 MP iSight Kamera mit LED Fotolicht

Sie darf sich auch nunmehr iSight Kamera nennen, was wohl Apple Marketing-Sprache für “ganz gut” ist, denn diese Sorte Kamera wird auch in den Macs verbaut. Einzeln kann man die iSight meines Erachtens schon ewig nicht mehr kaufen.

Ich bringe es mal aus meiner Sicht auf den Punkt: Apple hat mit dem A6 Prozessor genau den richtigen Motor mit ausreichend Pferdestärken eingebaut, und mit der Kamera die Qualität der iPhone Aufnahmen soweit gesteigert, dass das separate Mitführen einer Kompaktkamera im Grunde überflüssig ist.

LTE

Zu LTE kann ich nicht viel sagen, weil ich es noch nicht dazu gebucht habe. Auf der Übersichtkarte der Telekom Homepage wohne ich zwar im einzigen weißen Fleck im Umkreis von ein paar hundert Metern, aber das Telefon zeigt trotzdem ein verfügbares LTE Netz an. Doch was soll ich zu Hause damit? Hier nutze ich mein VDSL über WLAN. Ich überlege es mir eventuell, sobald mein Büro LTE-Zugang hat – aber das liegt wirklich ganz tief drin in der weißen “Sorry, hier absehbar kein LTE”-Zone. Ich befürchte, der Kreis der Nutzer, denen das wirklich was bringt, dürfte vorerst recht eingeschränkt bleiben.

Akku

Die Diskussion um die Vorzeige-Features verdrängt zumeist das, was sich jeweils unter der Haube getan hat und nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Von Generation zu Generation hat Apple mit Augenmaß die Leistung des Telefons immer an zeitgemäße Standards angepasst ohne dabei aus den Augen zu verlieren, dass es sich um ein mobiles Gerät handelt, das am Ende des Tages auch eine gewisse Zeit unabhängig von einer Steckdose eingesetzt werden soll. Nach nur drei Tagen und erst einer Akkuladung habe ich natürlich keine soliden Erfahrungswerte. Aber selbst wenn das Versprechen, die Akkulaufzeit sei gleich geblieben, nicht 100% stimmt…bis ich bei den Verhältnissen meines extrem stromhungrigen Samsung Galaxy Note angekommen bin (täglich an’s Netzteil), gibt’s noch eine ordentlich Reserve.

Liefert ab sofort den Strom und die Daten – der neue Lightning Anschluss

Software

Ich lasse mit mir gerne über die Vor- und Nachteile bestimmter Hardware-Features diskutieren. Ich hab aber eine unerschütterliche Meinung, wenn es um die Softwarefrage geht. Da kann derzeit Apple keiner das Wasser reichen. iOS 6 ist kein exklusives Feature des iPhone 5, sondern findet auch Verwendung auf den älteren iPhones ab 3GS und den iPads. Ausgerollt wurde es für alle Geräte gleichzeitig an nur einem Tag! Parallel dazu gab’s ein Update für das MacOS – ein Jelly Bean Update für mein Galaxy Note ist Stand heute noch nicht mal terminiert.

Für mich persönlich die einzig denkbare Alternative aus dem Android Lager…ein Galaxy Nexus

Die Bedienung des Telefons ist immer noch im höchsten Maße intuitiv und das konsequent um- und durchgesetzte Look-and-feel stellt sicher, dass man sich in jeder neuen App schnell zurecht findet. Kritik muss sich Apple in der Bereinigung des Stock iOS von Google Komponenten gefallen lassen. Youtube App weg…kein Ersatz im deutschen iTunes Store (last time I checked – möglicherweise ist das jetzt auch schon anders). Und die Misere mit den verkorksten Karten werden die meisten ja mitbekommen haben. Beim nächsten Mal sollte sie sehen, dass adäquater Ersatz da ist, bevor sie etwas runterschmeißen.

Manch einer mag die Aufregung um die Map-App nicht verstehen, weil die “wichtigen” Dinge drin sind…;)

Muss das iPhone mal an’s Mutterschiff andocken, ist das auch kein Problem. Ich benutze iTunes seid ich mir 2005 meinen ersten iPod gekauft habe. Seitdem ist meine penibel gepflegte Bibliothek auf über 9000 Songs angewachsen. Ich kann über die Software im Prinzip nichts schlechtes sagen, denn auch die ist – ähnlich wie das Telefon – kontinuierlich verbessert worden. Jedem der daran was auszusetzen hat, kann ich nur raten sich mal Samsung Kies anzuschauen – eine Zumutung sondergleichen. Keine Frage, wenn man auch seine andere Hardware von Apple hat, funktioniert das Miteinander nochmal eine Schippe geschmeidiger – aber das darf ja wohl keine ernsthafte Kritik sein.
Seit dem ich iTunes Match nutze, ist auch der Umzug auf ein neues Gerät überhaupt kein Problem mehr. Nachdem ich meine Apple ID im neuen iPhone angegeben hatte, standen mir sämtliche Titel und Playlists sofort auf meinem Telefon zur Verfügung. Bei meinem Galaxy Note passen heute noch nicht alle ID3 Tags…und von den Covern fang ich gar nicht erst an.

Innovation

Der Vorwurf der gegenüber dem iPhone 5 im Raum steht, lässt sich recht einfach zusammenfassen: Es sei nicht innovativ (genug). Der große “Kracher” fehlt. Man habe nicht mehr vorgelegt sondern eher nachgezogen und schon gar nicht die Messlatte für die Konkurrenz angehoben.

Innen wie außen mit hohem Wiedererkennungswert.

Ich stelle mal die These in den Raum, dass seinerzeit weder die Implementierung eines bereits lange etablierten Mobilfunkstandards, noch das Retina-Display noch Siri die Konkurrenz ernsthaft unter Druck gestellt hat. Das Problem bestand am Anfang, denn da mussten Smartphones aussehen und sich bedienen lassen wie ein iPhone (Patentstreit inklusive).

Finde die “Innovation”, von links nach rechts. Aufgenommen im Kölner 4010…

Wem die Konkurrenz (vorrangig aus Korea) seitdem aus meiner Sicht verzweifelt hinterläuft ist der Mythos des iPhones. Aber wie soll das auch was werden mit einer Produktpalette die länger ist, als die Speisekarte beim Chinarestaurant um die Ecke.

Zum Thema “Innovation” könnte man noch mal viele Seiten füllen aber für mich stellt sich das so dar: Die technische Revolution stand am Anfang, mit dem ersten iPhone. Danach wurde in jedes Nachfolgemodell mindestens ein Feature eingebaut, dass einen Qualitäts- und Generationensprung gegenüber dem Vorgänger (und nicht zwingend der Konkurrenz) manifestiert. Ob das diesmal der Bildschirm, die Hülle oder etwas weniger sichtbares wie der abgefahrene Prozessor ist…Apple hat sich stets darauf konzentriert, dem Kunden das jeweils bestmögliche iPhone in die Hand zu drücken.
Darin besteht für mich auch die eigentliche Leistung: All diese Eigenschaften in ein Telefon zu packen.

Das mancher bei bestimmten Features des iPhone sagen wird, “das kann meins schon lange” mag sein – um gamechanger Funktionen handelt es sich dabei in der Regel nicht.
Hier hätten wir beispielsweise die Panorama Funktion, die jetzt nativ zur Verfügung steht, was Apps wie (das hervorragende) Autostitch überflüssig machen könnte, und die schon seit Ice Cream Sandwich auf Android Telefonen nutzbar ist…wenn man denn ein ICS Update bekommen hat.

Fazit

Wenn der erste Strom von iPhone 5 Geräten an die Fan Boys & Girls gegangen ist, trifft das Telefon unweigerlich auf den “normalen” Nutzer. Wer bereits ein iPhone hatte, wird von der neuen Auflage begeistert sein. Wer aus Überzeugung bisher keins hatte, den dürfte auch das iPhone 5 nicht umstimmen. Wer während der natürlichen Lebensdauer des iPhone 5 (also zwischen Launch und Ankündigung iPhone 5S bzw. 6) sein Gerät wechseln darf, wird’s vermutlich vom Preis abhängig machen. Die Masse der Nutzer lässt sich nicht von technischen Details mitreißen, sondern nimmt schlichtweg das 1€ Einsteiger Froyo oder Gingerbread Android, dass ihm der Discounter oder der DSL-Anbieter in der Familienflat mit dazu gibt.

Somit fällt mein Fazit relativ kurz aus. Das iPhone 5 übertrifft seinen Vorgänger in allen Bereichen. Es ist für mich das beste iPhone, das Apple bisher gebaut hat…
Und damit ist eigentlich schon alles gesagt. (Marco)

3 Gedanken zu “iPhone 5 – Erwartungen erfüllt? [Test]

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>