Polaroid Sofortbildkameras – gestern und heute

In Zeiten, in denen Handys selbst gute Kompaktkameras problemlos ersetzen können, mutet die Entscheidung eine analoge “Knipse” auf den Markt zu bringen irgendwie…mutig an. Die Polaroid 300 ist zwar nicht wirklich neu, bewegte sich  aber bisher glatt unter unserem Radarschirm. Als ich beim Durchstöbern meines Wohnzimmerschranks jedoch auf meine alte Sofortbildkamera stieß, war mein Interesse geweckt und ich wollte mal wissen, ob ich mit dem Teil heute noch was anfangen kann und wie Polaroid das Sofortbildprinzip in das digitale Zeitalter gerettet hat.

Der Klassiker

Meine erste Frage war recht schnell beantwortet. Ich bekam meine Polaroid mit neun Jahren und ich hab sie echt geliebt. Was unsere Beziehung aber auf eine harte Probe gestellt hat, war der horrende Preis für einen Film, der das Taschengeld eines Grundschülers regelmäßig sprengte. Sofortbildaufnahmen waren ein teures Hobby und das ist leider auch so geblieben.
Unter dem Label The Impossible Project werden in Enschede (NL) in der letzten verbliebenen Fertigungsanlage wieder Sofortbildfilme hergestellt. Der Spaß kostet etwa 20 Euro für 8 Aufnahmen…ein stolzer Preis. Das liegt letztlich aber an der aufwändigen Herstellung, an der sich auch nach der ganzen Zeit nicht wirklich was geändert hat. Da sich im Film auch die Batterie für die Stromversorgung der Kamera befindet, kann ich meine leider nicht mal eben testweise einschalten, da ich keinen Film zur Hand habe – aber gut zu wissen, dass ich es könnte, wenn ich wollte!

Dann halt digital…!

Nachfolgende Generationen werden den Wert eines echten Abzugs vermutlich nicht mehr zu schätzen wissen – immerhin gibt’s heute schon mobile Endgeräte, deren Display jedes 9×13 Foto in die Tasche steckt. Wer aber mal die Fototaschen zählt, die in der Drogerie seines Vertrauens auf Abholung warten, wird genau wie ich feststellen, dass sich Fotos zum Anfassen immer noch einer gewissen Beliebtheit zu erfreuen scheinen.
Die Idee, die Zeit zwischen dem Betätigen des Auslösers und der Inaugenscheinnahme des Abzugs maximal zu verkürzen, ist auf dem Weg ins Digitalzeitalter auch noch nicht verloren gegangen. Eine Möglichkeit das zu erreichen, ist ein externer Drucker, der per Kabel oder auch drahtlos mit der Kamera verbunden wird – meiner Meinung nach viel zu umständlich (ich besitze einen Canon Selphy Thermotransferdrucker – ich weiss wovon ich rede!).
Also muss beides in einem Gerät zusammenkommen. Das dachte sich dann wohl auch Polaroid und versucht seitdem potentielle Kunden für digitale Sofortbildkameras zu begeistern.
Wir haben mal mit zweien davon – und zwar der Z2300 und der Z340 – testweise Schnappschüsse gemacht:

…oder doch lieber analog?

Anscheinend hat Polaroid damit aber nicht ganz den Geschmack der Kundschaft getroffen, denn für den neuesten Ableger der Reihe, der Polaroid 300, heisst es: back to the roots. Also wieder analog. Die Kamera ist bewusst auf Spaß und Schnappschuss getrimmt – die kitschigen, quietschigen Farben und die gewohnheitsbedürftige Form sprechen da eine eindeutige Sprache.

Das bunte Kunststoffgehäuse fühlt sich nicht wirklich hochwertig an und erinnert in keiner Weise an meine AF 600. Sucher, Blitz und vier Programmeinstellungen für die Lichtverhältnisse bilden die einfach gehaltene Ausstattung.

Die Bilder, die am Ende rauskommen, haben nicht mehr das altbekannte Polaroid Format, sondern sind eher mit Visitenkarten vergleichbar. Leider konnten wir die Polaroid 300 nur anfassen. Ausprobieren war nicht möglich, weil die auf der Photokina ausgestellten Kameras weder Saft noch Bilder hatten. Vielleicht hätte uns das Foto dann überzeugen können, denn so fällt das Fazit eher negativ aus. Ich glaube aber, dass dies auch nichts an unserem Eindruck geändert hätte.

Was macht man wohl damit?

Der Reiz einer Polaroidaufnahme ging nicht immer zwingend nur vom Endergebnis aus, denn die Spannung begann schon, wenn der Abzug die Kamera verließ und das Warten begann. Wedeln, weglegen und anschließend zuschauen, wie der Rest vom Entwicklungsprozess das Motiv zum Vorschein brachte. Dieses Erlebnis hat Polaroid je nach Kameratyp mehr oder weniger konservieren können. Während die digitalen Modelle im Grunde schon auf dem Display zeigen, was später rauskommt, kann man sich die Spannung und Vorfreude bei der analogen 300er etwas länger erhalten, da sich Bild ähnlich wie früher entwickeln muss. Dann hört’s aber schon auf mit der Nostalgie-Befriedigung…

Die digitalen Z2300 und Z340 Modelle können im Gegensatz zur 300er in Sachen Hardware qualitativ überzeugen, kosten aber mit 180 bzw. 220 Euro auch gleich mal eine ordentliche Schippe mehr. Mit bummelig 80 Euro liegt die Polaroid 300 in einem Preissegment, bei dem man schon mal in Erwägung ziehen kann, das Ding für ein Party oder sonstige Feier zu besorgen. Die Kamera wird zudem auch in Bundles mit bis zu fünf Filmen angeboten – damit man nicht plötzlich ohne “Munition” dasteht. Denn das sollte man nicht vergessen: Wir sind mittlerweile doch alle gewöhnt lieber einmal zuviel als zuwenig auf den Auslöser zu drücken – kost’ ja nix. Das ist hier natürlich anders. Bei etwas mehr als einem Euro pro Bild sollte man gut überlegen, ob man die Kamera beim nächsten Event einfach mal so auf den Tisch legt. Zum Vergleich: Einweg-Kameras (z.B. für Hochzeiten) bekommt man im Internet zum Stückpreis von unter drei Euro und da sind 24 Bilder drauf.

Und am Ende des Tages hat man ausser bei der Z340 nicht mal das gewohnte Bildformat. Was man mit den Fotos der Polaroid 300 in Kreditkartengröße soll, erschließt sich mir überhaupt nicht. Polaroid selbst ist übrigens von seinen Produkten auch gleich soweit selbst überzeugt, dass man sich auf deren Homepage nach Informationen dumm und dämlich sucht. Andererseits sind sie kürzlich erst eine Kooperation mit Lady Gaga eingegangen, die dem ganzen wohl mit kreativen Impulsen ein hippes Image verpassen soll…mal abwarten!

Unterm Strich…

Die Polaroid 300 soll eine Spaß- und Eventkamera sein – diese Rolle mag sie erfüllen. Ich spreche ihr aber jede Form von Alltagstauglichkeit ab. Die Z2300 hat nicht mehr viel mit dem look-and-feel einer klassischen Polaroid Sofortbildkamera zu tun. Betrachtet man es vom Endergebnis her, kommt die Z340 am ehesten an die alten Fotos mit dem ikonischen weissen Rahmen heran. In der Bedienung ist sie aber näher an einer modernen Digitalkamera, als an einer analogen point and shoot Kamera.

Für mich kann keine der drei Kameras meine AF 600 wirklich ersetzen. Wenn es mich also das nächste Mal reizt, werde ich mich einen Film für mein altes Schätzchen besorgen…und meine Motive sorgfältig auswählen!

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