Angespielt: Halo 4 [Test]

Das Leute sich in freudiger Erwartung auf ein Microsoft Produkt vor irgendwelchen Läden in die Schlage stellen ist ja eher unüblich. Eine Ausnahme gibt’s: Wenn Soldat John-117, besser bekannt als “Master Chief”, zu einem neuen Abenteuer antritt. Dann zieht es die Leute vor die Elektronikmärkte – zumindest in den USA.
Hierzulande war der Hype nicht so groß. Trotzdem hat die Serie auch hier einen gewissen Bekanntheitsgrad und das nicht zuletzt seit dem die Nerds aus “The Big Bang Theory” den Mittwoch zur “Halo Night” erklärt haben.

Ich habe Halo 4 mal eine Woche angespielt und will meine Eindrücke natürlich nicht für mich behalten.

Es gibt Videospielfiguren, die zum Aushängeschild ihres Konsolenherstellers werden – zu unverwechselbaren Ikonen. Mario und Zelda für Nintendo, Sonic für Sega und auf der XBox eben Halo’s Master Chief. Seid dem der futuristische Supersoldat vom Typ SPARTAN II im ersten Teil “Halo – Combat Evolved” in zunächst spektakulärer grafischer Umgebung (das flachte dann später DEUTLICH ab) begann, mit den Schergen der außerirdischen Allianz aufzuräumen, erfreute er sich wachsender Begeisterung in der Gamer Community. Diese Begeisterung ist mittlerweile so groß, dass Microsoft bekannt geben konnte, am Launch Tag von Halo 4 weltweit alle bisherigen Rekorde der Serie eingestellt und mal eben 200 Mio $ eingenommen zu haben. Tendenz steigend…

Totgesagte leben länger!

Halo wurde ursprünglich von Bungie Studies entwickelt und die Story um den Master Chief als Trilogie angelegt. Dementsprechend endete Teil 3 auch zunächst spektakulär in der Rettung der Menschheit und einem anschließenden Heldenbegräbnis. Doch Spieler, die einen der härteren Schwierigkeitsgrade meisterten, wurden mit einem zusätzlichen Cliffhanger Cinematic belohnt, dass selbstverständlich die Tür für einen weiteren Teil offen hielt. Da Bungie jetzt für die Konkurrenz arbeitet, musste ein neues Studio den Staffelstab aufnehmen. Microsoft gründete eigens dazu 343 Industries. Von dem Moment an, als die Arbeit an Halo 4 publik gemacht wurde, fragten sich die Fans, ob es dem neuen Team gelingen würden, den Halo Flair zu erhalten und trotzdem der Serie einen eigenen Stempel aufzudrücken.

Und, was gibt’s Neues?

Sicherlich ist es mit einem gewissen Risiko verbunden, einem Spiel neue Impulse einzuhauchen und eine eingeschworene Community eventuell gegen sich aufzubringen. Treyarch und Infinity Ward beweisen mit Call of Duty aber regelmäßig, dass es geht.
Um es kurz zu machen: 343 Industries ging bei Halo 4 den Weg des geringsten Widerstands…und hat einfach weiter gemacht, wie bisher. Und das meine ich genau so. Halo 4 sieht zunächst mal aus wie Halo 3 und spielt sich auch so. Die Umgebungsgrafik ist gleich, die Models der Gegner sind überwiegend gleich, die Waffen sind am Anfang gleich…alles gleich.
Ich hab’s noch nicht ganz durch – sollte also noch der große Innovationskracher kommen, nehme ich alles zurück und behaupte das Gegenteil. Schade, ich hatte das Gefühl als wollte man mir mit aller Gewalt ein warm and fuzzy feeling der Vertrautheit vermitteln.

Auch inhaltlich gibt’s Altbekanntes. Gleich wenn’s los geht, tritt man wieder gegen Allianz Aliens an und denkt sich, “hey, euch hab ich doch in Teil 3 besiegt”. Mit Nichten, denn hier haben wir es mit einer Truppe zu tun, die das irgendwie noch nicht mitbekommen hat – ja nee, is’ klar. Anschließend betreten wir einen Bereich in dem auf einmal neue Gegner auftauchen – die Prometheaner. Wenig überraschend wollen die uns an den Kragen und man möchte dem Master Chief, spätestens wenn man mit dem Didaktiker der Blutsväter ein weiteres Alien aufgeweckt hat, zurufen: “Alter, du musst mal aufhören uralte Alienrassen mit Tendenz zum Genozid gegen dich aufzubringen.”

Allein zu zweit!

Wie gehabt, steuert man den Master Chief – wie immer in Begleitung der Künstlichen Intelligenz Cortana – in der Einzelspieler-Kampagne durch einen Rail Shooter Level nach dem anderen. Also immer schön in eine Richtung. Dabei versucht man sich der Gegnerhorden zu erwehren. Und das ist alles andere als leicht – und leider, leider auch nicht immer spannend und motivierend. Die nervigen Gegner der Flood – das war das letzte außerirdische Seuchenvolk, das der Chief gegen sich aufgebracht hat – sind zwar Geschichte, aber die Prometheaner machen da nahtlos weiter. Vor allem die “Springer” neigen dazu sich in Luft aufzulösen um plötzlich neben einem aufzutauchen und einen mit einem Schlag umzulaschen. Wenn sie mal weiter weg stehen, haben sie meistens Drohnen dabei, die sie gegen direkte Angriffe abschirmen. Also muss man die zuerst abschießen.

Dazu bieten sich dringend Präzisionswaffen an, von denen man aber nicht immer genug zur Hand hat. Also muss man taktisch vorgehen und sich bei jedem Schuss überlegen, ob man nicht vielleicht doch seine Zweit-Waffe nimmt, weil man die Munition der ersten Knarre vielleicht hinter der nächsten Ecke braucht. So ist man eigentlich die ganze Zeit damit beschäftigt, sich um seine Waffen und seine Munition Gedanken zu machen. Das reizt mich irgendwie gar nicht.
Ich will in einem Shooter stetig mein Arsenal verbessern und dann ballern was das Zeug hält. Allzu oft steh’ ich in Halo da und kann schauen, wo ich das nächste Schießeisen herbekomme…und gefühlt ist das in Teil 4 nochmal schlimmer geworden.

Warum man es am Ende trotzdem spielen sollte? Weil Halo einfach eine gute Geschichte erzählt. Und wenn man einmal eingetaucht ist, will man die auch von Anfang bis Ende erleben. Da verkraftet man es auch mal, dass die Spielsequenzen dazwischen mal die eine oder andere Länge haben. Meist haben die Spielsituation in denen man festhängt auch eher was von nem Puzzle, nach dem Motto: Welche Kanone greife ich mir und welchen Gegner schalte ich zuerst aus, damit es weitergeht.

Um mal einen Eindruck zu vermitteln, wie der Einzelspieler so abläuft, hab ich mal eine kurze Sequenz aufgenommen:

Red versus Blue

Mit dem Ansatz, der Community neben einer soliden Einzelspieler-Erfahrung auch noch einen Mehrspielermodus mit Langzeitmotivation zu bieten, ist Halo natürlich in guter Gesellschaft. Ich will gar nicht wissen, wieviele Call of Duty Spieler es gibt, die nicht mal wissen, dass das Spiel eine Single Player Kampagne hat ;-) .
Ich hab mich natürlich auch mal auf den Schlachtfeldern rumgetrieben und muss sagen, dass 343 Industries hier eine gute Arbeit abgeliefert hat. Das Spiel läuft flüssig, der Lag hält sich in Grenzen und die Maps bieten ausreichend Abwechslung, so dass kein Spiel dem anderen gleichen dürfte.
Etwas merkwürdig finde ich, dass man den Multiplayer von der zweiten DVD zusätzlich installieren muss…”ab Werk” ist der nicht dabei.

Ab und zu würde ich auch gerne das Balancing verstehen wollen – es ist nicht in jeder Situation ersichtlich, warum man selber den Kürzeren gezogen hat und nicht der Gegner. Aber das ist sicher auch etwas, was man irgendwann im Gefühl hat. Der Halo Multiplayer ist auf jeden Fall eine gute Alternative zu technischen Krücken wie Modern Warfare 3 über dessen Netcode ich mich zuletzt einfach nur noch geärgert habe.
Und so sieht das dann in bewegten Bildern aus:

Fazit

Es ist ja offensichtlich, dass ich mit Halo 4 etwas hart ins Gericht gehe, obwohl ich ein großer Fan der Serie bin. Aber wer für sich in Anspruch nimmt, Flaggschiff zu sein, der muss halt auch ein bisschen mehr liefern als ein 08/15 Shooter. Deswegen will ich nicht ausschließen, dass Halo 4 meine Erwartungen nicht zu 100% erfüllt, weil die einfach sehr sehr hoch waren. Ich denke 343 Industries hat insgesamt ein gutes Paket abgeliefert – obwohl eine Prise Mut zum Neuen nicht geschadet hätte.
Wer Halo bisher nicht kannte, hat jetzt die Chance neu einzusteigen, weil ein neuer Storybogen aufgespannt wird. Halo-Veteranen werden sich ohne Probleme zurechtfinden…und sollten sich selbst ein Bild davon machen, ob sie das nun gut oder schlecht finden. Am Ende des Tages kriegt man für sein Geld sehr gute Unterhaltung geboten – und darum geht’s ja.

Screenshots: 343 Industries @ www.halowaypoint.com

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