Sind 5 Zoll Trumpf? Das Samsung Galaxy Note 2 im Alltagstest [Test]

Meine Zeit mit dem Samsung Galaxy Note 2 neigt sich dem Ende zu. Die vergangenen Wochen mit dem leistungsstarken 5-Zöller glichen einer kleinen Achterbahnfahrt der Nutzergefühle. So manche Tücke des Formats offenbarte sich nämlich erst in bestimmten Situationen. Im Fokus stand neben der Handhabung des Note 2 an sich natürlich auch der Vergleich zu dem von mir heiß und innig geliebten 7-Zoll-Format in Form des Nexus 7. Gibt es die perfekte Kombination aus Smartphone und Tablet?

Wie schon das Nexus 7 musste sich auch das Note 2 in drei Disziplinen beweisen: Unterwegs, im Büro als Arbeitsgerät und zu Hause als Entertainer auf der Couch. Schon vom Umgang mit dem Nexus 7 war ich es gewohnt, dass die Menschen um mich herum vermehrt mit Erstaunen auf das für sie ungewohnte Format des Note 2 reagieren. Auch mit dem Note 2 passierte es (leider), dass Menschen Dinge sagten wie: “Halt das mal ans Ohr!” Auch Begriffe wie “Totschläger” oder “Flunder” waren zu vernehmen. Dabei muss ich sagen, dass mir das Note 2 in Hamburg mittlerweile recht häufig in freier Wildbahn begegnet.

Unterwegs

Normalerweise bin ich mit einem dynamischen Duo aus Smartphone und Nexus 7 unterwegs, wenn ich das Haus verlasse. Das Smartphone dient dabei optional als Tethering-Hotspot für das Tablet. In der Regel ist dies aber nicht nötig, da ich vor dem Verlassen des Hauses meine Reader und Spotify Playlisten aktualisiert beziehungsweise synchronisiert habe. Dieser Arbeitsschritt fällt mit dem Note 2 dank UMTS weg. Ein weiterer Vorteil des Note 2 auf dem Arbeitsweg: Ich kann Weblinks in im Reader gespeicherten Texten sofort aufrufen. Bei meinem normalen Setting muss ich immer erst abwägen, ob der Link es wert ist, dass ich in der Bahn anfange zu tethern. Die Größe des Displays ist beim Note 2 unterwegs auf den ersten Blick ein großes Plus. Mir fiel jedoch auf, dass ich das Gerät eher wie ein Smartphone halte und somit mein Daumen permanent über der unteren Hälfte des Displays schwebt. Dadurch verkleinert sich mein Blick- und Lesefeld automatisch um mindestens ein Drittel der Gesamtgröße des Displays. Sprich: Ich blicke immer nur auf die obere Hälfte. Im Vergleich dazu halte ich das Nexus 7 tatsächlich eher wie ein Tablet, was mir einen freien Blick auf das Display ermöglicht.

Im Vergleich zum Nexus 7 ist beim Note 2 der Anschluss für die Kopfhörer an der Oberseite des Gerätes. Was für den Transport in der Tasche noch ok ist, wird beim gleichzeitigen Musikhören und Lesen leicht nervig. Das Kopfhörerkabel schiebt sich regelmäßig in mein Sichtfeld. Der Vorteil, unterwegs mit dem Internet verbunden zu sein, wird durch die schwierige Handhabung der Displaygröße des Note 2 leider etwas abgewertet. Was nutzen mir 5 Zoll, wenn ich das Gerät unnatürlich halten muss, um das gesamte Display zu sehen?

Ergebnis: Unterwegs hat das Nexus 7 leicht die Nase vorn.

Im Büro eher ein Gimmick

Während das Nexus 7 im Büro schon handlich war, fällt das Note 2 in Sachen Größe kaum mehr ins Gewicht. Es passt ohne zu stören in meine Hosentasche und beult diese auch nicht aus (was beim Nexus 7 durchaus schon mal vorkommen kann.). Mail-Anhänge und Office-Dokumente lassen sich mit dem Note 2 problemlos darstellen. Beim Bearbeiten von Anhängen stößt es dann allerdings schnell an seine Grenzen. Das Display ist einfach nicht groß genug, weshalb man viel Scrollen und Zoomen muss. Als ich das Note 2 das erste Mal in den Händen hielt, dachte ich mir, dass vor allem der S-Pen in Meetings eine große Hilfe sein würde. In Wirklichkeit nutze ich ihn jedoch kaum. Es mag daran liegen, dass meine Handschrift zu geschwungen ist, aber ich bekomme auf dem Notiz-Template einfach nicht genug Text unter. Immer wieder muss ich neue Seiten anfangen. Dabei verliert man schnell den Überblick, über das Mitgeschriebene. Das Ganze mutet auf Dauer an wie eine Kombination aus Kellnerblock und Filzstift. Den S-Pen hole ich im Büro nur dann raus, wenn ein interessierter Kollege danach fragt.

Die Alternative zur handschriftlichen Eingabe von Notizen ist die Eingabe per Keyboard. Hier greife ich wie beim Nexus 7 auf Catchnotes zurück. Die native Tastatur der Samsung TouchWiz UI ist für mich eher gewöhnungsbedürftig. Ich nutze daher Swiftkey 3 in der Vollversion. Im Vergleich zur butterweichen Tastatur, wie ich sie auf dem Nexus 7 mit Stock Android (mittlerweile in Version 4.2 ) gewohnt bin, ist jedoch auch das noch immer eine Spur schwerer. Auch hier macht sich dabei der Größenunterschied von 5 zu 7 Zoll deutlich bemerkbar. Auf dem Nexus 7 geht das eintippen von Notizen einfach schneller und flüssiger von der Hand. Auf Dauer behandele ich das Note 2 im Büro mehr wie ein Smartphone, als wie ein Tablet. Darum lasse ich es immer wieder liegen, wenn ich den Schreibtisch verlasse.

Ergebnis: Auch im Büroalltag liegt das Nexus 7 vorne. Das Note 2 kommt hier nicht über den Status eines netten Gimmicks hinaus.

Zu Hause überraschend stark

Wenn es um den Konsum von Multimediainhalten geht, spielt das Note 2 seine Stärken eiskalt aus. Im Querformat sind Spiele einfach eine Augenweide. Die Größe des Displays gepaart mit der Performance der Hardware machen aus dem Note 2 eine kleine Playstation Vita. Auch das Ansehen von Filmen, Serien oder Youtube-Videos ist auf dem Super Amoled HD Display einfach nur beeindruckend. Aufgrund des nach wie vor besseren Content-Angebots im Ökosystem von Apple greife ich zum Lesen von Magazinen jedoch schnell wieder zum iPad. Auch die Kindle App, mit der ich bevorzugt Bücher lese, läuft auf dem Nexus 7 und dem iPad besser. Ich ziehe das iPad dem Nexus 7 aufgrund des größeren Displays und des besseren Contents vor. Mit Ausnahme des Contents greife ich aus ähnlichen Gründen bei einer längeren Nutzung eher zum Nexus 7, als zum Note 2.

Ergebnis: Aufgrund der wirklich beeindruckenden Performance als Gaming-Maschine rangiert das Note 2 zu Hause mindestens auf Augenhöhe mit dem Nexus 7. Hier geht der Vergleich unentschieden aus.

Generelle Anmerkungen

Es gibt einige Dinge, die mir bei der Nutzung des Note 2 in allen Lebenslagen aufgefallen sind. Unbedingt ansprechen muss ich den meiner Meinung nach doch sehr krassen Unterschied zwischen Stock Android auf dem Nexus 7 und dem mit der Samsung-eigenen TouchWiz UI überzogenen Android auf dem Note 2. Dazwischen liegen für mich Welten. TouchWiz wirkt überladen: Die Fülle an Einstellungsmöglichkeiten ist sicherlich gut gemeint, erschlägt den Nutzer jedoch. Dazu kommt, dass das Note 2 hin und wieder einen eigenen Kopf zu haben scheint. Stelle ich es etwa auf lautlos, springt es ab und zu nach einer Weile wieder in den Ton-Modus.

Das Notification Light des Note 2 ist praktisch. Schliesslich muss man nicht andauernd das stromfressende Display aufwecken, um zu sehen, ob sich etwas ereignet hat. Allzu schnell wird man jedoch zum Sklaven des kleinen Lichtes. Nach einer Weile habe ich mir angewöhnt, das Note 2 mit dem Display nach unten hinzulegen, damit ich nicht dauernd nach dem Licht schiele.

Die Akkuleistung des Note 2 ist zufriedenstellend. Das Gerät hat mich im Testzeitraum nicht einmal im Stich gelassen. Hinzu kommt, dass der 3100 mAh Akku wirklich schnell wieder voll aufgeladen ist. Das mitgelieferte Netzteil hat einen Output von 5 Volt und ist somit leistungsstärker als viele andere bei Smartphones mitgelieferten Ladegeräte. Die Kombination aus Akkulaufzeit und schneller Ladezeit ist beim Note 2 ein absoluter Knaller. Warum bei einem grauen Note 2 allerdings ein weißes Ladekabel mitgeliefert wird, ist nicht direkt nachvollziehbar. Beim Laden des Geräts fällt leider negativ auf, dass der Micro-USB Stecker nicht sehr fest im Gehäuse des Note 2 sitzt und sich sehr leicht löst.

Beim Telefonieren ist es mir mitunter passiert, dass ich unfreiwillig aufgelegt habe. Ich kann mir das nur dadurch erklären, dass ich den unteren Teil des Telefons zu weit weg von meinem Kopf gehalten habe. Dadurch muss der Sensor das Display wieder eingeschaltet haben und ich muss durch eine Berührung auf die recht große Taste zum Auflegen gekommen sein. Wenn mir das ein oder zwei Mal passiert, mache ich gerne meine eigene Trotteligkeit verantwortlich. Mit dem Note 2 ist mir dies nur leider öfter passiert.

Ist der S-Pen noch da?

Ich bin wirklich sehr überrascht, wie wenig Gebrauch ich vom S-Pen mache. Hin und wieder vergesse ich sogar, dass ihn an Bord des Note 2 immer dabei habe. Fällt es mir wieder ein, gucke ich hektisch nach, ob er noch da ist. Mehr kann ich zu dem kleinen Stylus gar nicht sagen.

Fazit

Das Note 2 ist eines der aktuell leistungsfähigsten Smartphones auf dem Markt. Ich nenne es bewusst an dieser Stelle nicht Smartlet oder Phablet – denn für mich ist es aus der Nutzung heraus in erster Linie ein Smartphone (und die beiden genannten Begriffe auch irgendwie affig). Um von mir wie ein Tablet genutzt zu werden, ist das Note 2 zu klein. Im Laufe der letzten Wochen habe ich das Nexus 7 zu Hause gelassen und tagsüber nahezu ausschließlich das Note 2 benutzt. Dabei fehlte mir das Nexus 7 solange nicht, bis ich es abends wieder in der Hand hielt. Das Google Tablet ist im direkten Vergleich besser verarbeitet und wirkt wertiger. Die Rückseite des Nexus 7 aus gummiertem Plastik lässt es angenehm in der Hand liegen. Das glatte Plastik auf der Rückseite des Note 2 ist dagegen eher glatt. So glatt, dass man das Note 2 nicht auf auch nur ansatzweise abschüssigem Untergrund ablegen sollte. Es setzt sofort ein langsames Rutschen ein, welches mich zur ein oder anderen Rettungsaktion in Form einer Sprung- oder Hechteinlage veranlasste.

Das Note 2 wurde uns freundlicherweise von den Jungs von Getgoods zur Verfügung gestellt. Wenn ihr wissen wollt, was die Kollegen von dem Gerät halten, dann schaut euch doch den Shu beim Unboxen des Geräts an.

Und wer Lust auf ein Note 2 hat, dem sei die aktuell statt findende Verlosung bei Stereopoly ans Herz gelegt.

Ein Gedanke zu “Sind 5 Zoll Trumpf? Das Samsung Galaxy Note 2 im Alltagstest [Test]

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