Samsung Galaxy Camera: Android-Kamera im Kurztest

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Die Produktbezeichnung “Galaxy” steht bei Samsung für das Betriebssystem Android. Dies ist bekannt und dürfte mittlerweile in der breiten Masse angekommen sein, vor allem aufgrund der erfolgreichen Smartphone-Serie. In Verbindung mit einer Digitalkamera ist das aber neu. Die Samsung Galaxy Camera bietet dem Nutzer per WLAN sowie 3G vollen Zugriff auf das Android-Ökosystem und verbindet so die Kamera- mit der Smartphone-Produktkategorie. Klingt super! Käufer müssen aber gute 450 Euro dafür latzen. Ob die Samsung Galaxy Camera das wert ist?

Vor wenigen Wochen hatten ich die Samsung Galaxy Camera für ein paar Tage in den Fingern. Leider reichte die Zeit nicht, um mir das Gerät im Detail anschauen zu können. Statt dessen habe ich die Kamera zwei Tage in der Jackentasche gehabt, und sie immer mal wieder hervor gezückt, um ein paar Fotos zu machen. Wie immer sparen wir uns an dieser Stelle die technischen Daten. Wer aber Interesse daran hat, findet diese unter anderem hier bei den Kollegen von Mobilegeeks.

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Eine neue Klasse? Und, wenn ja…welche?

Der vollwertige Zugang zu einem Ökosystem erschafft meiner Meinung nach keine neue eigene Kameraklasse. Davon gibt es für mein Verständnis nach wie vor vier an der Zahl. Nämlich: DSLRs, Systemkameras, Kompaktkameras und Bridgekameras. In Zukunft könnte es vielmehr so sein, dass es in jeder dieser Klassen Produkte mit Android Betriebssystem gibt.
Die Einordung der Samsung Galaxy Camera in eine der Kameraklassen ist gar nicht so einfach. Ich denke aber, es erhebt niemand einen Widerspruch, wenn ich feststelle, dass es sich bei dem Gerät weder um eine DSLR noch um eine Systemkamera handelt. Dann wird es allerdings etwas kniffeliger: Im Web findet man die Galaxy Camera oft als Kompaktkamera beschrieben. Ich finde das bei den großen Abmessungen und dem schweren Gewicht allerdings nicht zutreffend. Die Galaxy Camera ist nämlich ein ganz schöner Klopper.

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Gewicht in Gramm

Deshalb und auch aufgrund des großen Zoom-Bereichs wie auch der Möglichkeit, zahlreiche Einstellungen manuell vornehmen zu können, ist die Samsung Galaxy Camera für mich am ehesten ein Bridgekamera. Die Klasse der Bridgekameras richtet sich eigentlich an ambitionierte Fotografen. Das ist bei der Samsung Galaxy Camera nicht unbedingt der Fall. Sowohl die übersichtliche Hardware als auch das User Interface lassen eine sehr einfache Bedienung zu, die die wenigsten Nutzer als kompliziert empfinden dürften. Vor allem Smartphone-erfahrene Nutzer finden sich schnell zurecht.

Design und Handling

Fangen wir mit der Hardware an. Wie schon erwähnt, ist die Samsung Galaxy Camera ganz schön wuchtig. Wegen der großen Abmessungen trägt man sie nicht so einfach in der Hosentasche. Quetscht man sie trotzdem rein, macht sich das Gewicht deutlich bemerkbar. Dafür liegt sie aber gut in der Hand. Der gummierte und strukturierte Griff fast sich gut an. Das Design ist eher clean. Neben dem Power-Button, dem Auslöser und damit verbundenen Ring zum Zoomen findet der Nutzer keine weiteren physischen Bedienelemente. Oh, Moment…an der Seite ist ein kleines Knöpfen für den Blitz. Und an der Unterseite gibt es selbstverständlich noch die Klappe für den Akku, wo ebenfalls microSD-Karte und Micro-SIM untergebracht sind, damit der Nutzer sich auch ohne WLAN mit dem Internet verbinden kann.
Ansonsten wird die Samsung Galaxy Camera von dem riesigen wie hochauflösenden Touchscreen dominiert. Samsung liefert hier die gewohnt hohe Qualität: Sensitivität, Farben und Schärfe sind sehr gut. Konnektivität und Display zollen natürlich ihren Tribut. Das bekommen Nutzer bei der Akkulaufzeit zu spühren: Bei intensiver Nutzung – wie im Urlaub – kommt die Galaxy Camera nur schlecht durch den Tag. Abends ist immer eine Steckdose notwendig.

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Die Software ist (mit Augenzwinkern) im wahrsten Sinne des Wortes Gewohnheitssache. Nutzer eines Android-Smartphones finden sich sofort zurecht. Hält man die Samsung Galaxy Camera hochkant in der Hand, könnte man sogar meinen, dass man ein Smartphone bedient…wäre da nicht das eben erwähnte Kloppergehäuse. Ob Facebook-Update, E-Mails schreiben oder im Web surfen, alles geht leicht von der Hand und macht Spaß. Es sind ein paar vorinstallierte Apps mit an Bord, die ich mir aber nicht weiter angeschaut habe. Darüber hinaus, kann sich der Nutzer selbstverständlich jede erdenklich Anwendung aus dem Google Play Store laden.

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Die Kamera

Kommen wir zum Wesentlichen: zur Kamera. Denn das ist die Samsung Galaxy Camera bei aller Funktionalität ja unterm Strich…obwohl man via Skype auch telefonieren könnte (Jürgen von neuerdings hat das ausprobiert).
Vorneweg gleich das, was mich ein Stück weit begeistert hat. Der enorme Zoom ermöglicht auch noch bei voller Kraft – dann natürlich in Zusammenarbeit mit dem Bildstabilisator – echt gute Bilder. Hier mal dargestellt am Beispiel vom Kölner Fernsehturm:

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Bis man ein Foto knipsen kann, dauert es etwa 2 Sekunden, gemessen vom Start der Kamera-App. Für einen Schnappschuss könnte das schon zu lange sein. Den Fokus bestimmt der Nutzer, genauso wie bei den meisten Smartphones, per Fingerdruck auf dem Touchscreen. Zum Fotografieren stehen drei Aufnahmemodi zur Verfügung, nämlich Auto, Intelligent und Experte. Ich denke, “Auto” ist jedem klar. Hinter “Intelligent” verbergen sich 15 Motivprogramme: Gesichtstönung, Bildempfehlung, Serienaufnahme, Bestes Gesicht, Landschaft, Makro, Momentaufnahme (Sport), Farbfülle (HDR), Panorama, Wasserfall, Silhouette, Sonnenuntergang, Nachtmodus, Feuerwerk und Leuchtspuren. Beim Expertenmodus ist der Name Programm. Hier haben erfahrene Nutzer die Möglichkeit manuelle Einstellungen vor zu nehmen wie etwa für die Verschlusszeit, Blende oder ISO-Einstellungen. Optisch wird der Modus mit virtuellen Objektivringen dargestellt. Das Ganze sieht sehr nett aus. Leider ist die Bedienung nicht optimal. Ich hatte den Eindruck, dass das UI an dieser Stelle träge ist. Außerdem erwischt man nicht immer den Ring, den man gerne verstellen möchte. Ist also eine ziemlich Fummelei, die mich ein Wenig genervt hat. Das Video unten vermittelt einen ganz guten Eindruck davon. Ausnahmsweise funktioniert es dort ganz gut.

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Der Expertenmodus der Samsung Galaxy Camera

Die Fotos, die man mit der Samsung Galaxy Camera machen kann sind gut. Aber bei günstigen Lichtverhältnissen kann ich kaum einen Unterschied zu den Aufnahmen feststellen, die von einer guten Smartphone-Kamera gemacht wurden. Aufnahmen einer guten Kompaktkamera sind im Zweifel sogar besser. Mein persönlicher Eindruck: Die Farben gefallen mir nicht, sie sind manchmal sogar recht weit von der Realität entfernt. Schwerwiegender ist für mich allerdings das Manko der fehlenden Details, wenn man sich die Aufnahmen etwas näher betrachtet. Bei Dunkelheit haben mir die Aufnahmen eigentlich immer sehr gut gefallen. Starkes Bildrauschen kam nicht vor. Dabei muss ich erwähnen, dass ich hier in erster Linie den Automatik-Modus beurteile.
Hier mal ein paar Beispielaufnahmen:

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Fazit: ein (zu) teurer Spaß

Eine Kamera mit 3G macht Spaß! Erst recht, wenn Android als Betriebssystem drauf ist und das Ganze per großem Touchscreen bedient werden kann. Eben genauso wie bei der Samsung Galaxy Camera. So ist es dann nicht nur möglich Fotos direkt per gewohnter App in die Sozialen Netzwerke wie Facebook oder Twitter hochzuladen…man kann auch gleich einen Post dazu texten oder bei Freunden kommentieren – halt ganz normal mobil Facebook nutzen. Genauso ist es möglich E-Mails zu versenden oder über einen Browser im Internet zu surfen. Das ist schon alles ziemlich cool. Gerade bei einer Kamera. Aber mein Smartphone kann das auch alles. Und das ist in meinen Augen noch das Problem der Samsung Galaxy Camera. Für eine UVP von 599 Euro und einem Straßenpreis von immerhin noch guten 450 Euro ist mir die Qualität der Fotos nicht hoch genug. Aktuelle Smartphones wie das Lumia 920 oder auch ältere Modelle wie das Samsung Galaxy S II können da schon ganz gut mithalten, vor allem bei günstigen Lichtverhältnissen und wenn man bedenkt, dass die meisten Aufnahmen eh nur bei Facebook, Instagram & Co landen. Mit einem guten Smartphone im Besitz, bin ich nicht bereit so viel Geld für die Samsung Galaxy Camera auszugeben. Wenn ich so viel Geld eine Kamera ausgebe, verzichte ich auf das OS mit 3G und kaufe mir beispielsweise lieber eine anständige Systemkamera mit einer deutlich besseren Fotoqualität, wie etwa die Nikon 1 oder die Samsung NX200. Sobald der Preis noch 100 Euro fällt, sieht die Sache wieder anderes aus. Denn: Die Samsung Galaxy Camera ist auf gar keinen Fall ein schlechtes Gerät – sie ist nur den aktuellen Preis nicht wert.

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