Parrot AR.Drone 2.0 – Die fliegende Kamera [Test]

Die Firma Parrot stellte auf der CES mit einem GPS Modul, einem größeren Akku und einer neuen Software einige interessante Upgrades für die bekannte AR.Drohne 2.0 vor.

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Wir hatten vor einiger Zeit die Möglichkeit, das ferngesteuerte Fluggerät mal ausgiebig zu testen und erlauben uns daher eine Aussage dazu, was diese Drohne heute schon kann und wie sinnvoll die Erweiterungen wohl sind.

Wer gerne fotographiert oder filmt ist immer auf der Suche nach einer außergewöhnlichen Aufnahme. Der richtige Betrachtungswinkel hilft oftmals dabei, eine Szene oder ein Bild aufzupeppen. Die “Draufsicht” ist da immer eine gern genommene Herangehensweise. Gerade bei Sportveranstaltung kommen daher seit langem Kameras auf Hubschraubern, Fesselballons oder Laufkatzen zum Einsatz. Die Technik erlaubt es aber mittlerweile auch hochwertige Kameras auf Drohnen einzusetzen und damit einen völlig neuen Freiheitsgrad zu erreichen.

Wer wie wir dieses Jahr die Photokina besucht hat, konnte sich davon bestens überzeugen:

Derlei Gerät ist natürlich eine Nummer zu groß und zu teuer, wenn man nur mal die Familienvideos aufmotzen oder mal einen Blick auf das eigene Hausdach werfen möchte.

Das muss es doch auch für den Hausgebrauch geben, dachten wir uns.
Gibt’s ja auch – und nicht erst seit gestern.

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Mit der AR.Drohne stellt die Firma Parrot wohl das landläufig bekannteste Modell her. Seit der Version 2.0 ist die Drohne auch mit einer 720p HD Kamera ausgestattet…theoretisch also ausreichend, um die Aufnahmen für ein Home Video zu nutzen.

Wie üblich bei uns “no specs, no datasheets”, davon gibt’s im Internet wahrlich genug (z.B. beim Hersteller), immerhin ist die Drohne schon bummelig ein Jahr alt.

Geliefert wird der Quadcopter mit samt zwei Deckeln: es liegt sowohl ein Stoßschutz für den Einsatz in Innenräumen bei, wie auch einer, der das Fluggerät mit einer kleineren Silhouette ausstattet und damit weniger windanfällig machen soll. Akku und das übliche Zubehör wie Netzteil und Anleitung komplettieren den Packungsinhalt.

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Moment…fehlt da nicht was? Zum Beispiel eine Fernsteuerung? Nein, denn die AR.Drohne wird per App auf einem iOS oder Android Gerät gesteuert. Verbindung wird über einen Wifi-Hotspot gehalten, den die Drohne aufbaut. Damit erwies sich das Ganze als kinderleicht in Betrieb zu nehmen und für den ersten Start vorzubereiten.

Könige der Lüfte

Wir wollen da auch nichts beschönigen. An dem System “fliegende Kamera” hat uns natürlich nicht nur die Kamera interessiert ;-) Mit Eintreffen der Drohne konnten wir es nicht abwarten, uns in die Lüfte zu schwingen. An dieser Stelle nochmal der Dank an getgoods.de für das Testgerät.

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Hier gleich mal der erste “Pro-Tipp”: Die Annahme, den ersten Testflug drinnen durchzuführen sei besser, weil man sich nicht den Witterungsbedingungen aussetzt, ist falsch und führt mit ziemlicher Sicherheit dazu, dass die Drohne Bekanntschaft mit diversen Einrichtungsgegenständen macht.

Denn auch wenn der eingebaute Autopilot Großes leistet, um die Drohne stabil in der Luft zu halten, braucht man etwas Gefühl für die Steuerung. Die kommt leicht träge daher, was wiederum zusammen mit dem werkseitig eingestellten Steuerungsmodus zu einem ganz schönen Rumgeeier in der Luft führt. Dieser stützt sich auf die Bewegungssensoren des jeweiligen Mobilgeräts. Wir haben uns letztlich für die Joypad-Steuerung entschieden, also mittels zweier virtueller Sticks. Und dann ging’s mal richtig ab!

Als wir dann auch noch den Höhenbegrenzer gefunden und hochgedreht hatten, gab’s kein Halten mehr. Die Erfahrung die Drohne zu fliegen und den Spaß den wir dabei hatten lässt sich weder hier im Text noch im Video zu 100% wiedergeben. Aber glaubt uns mal, dass das richtig gut abgeht!

Leider aber nur kurz – denn der Akku macht relativ schnell schlapp. Unter optimalen Bedingungen soll er für bis zu 15 Minuten Betrieb reichen…die findet man vielleicht in einer Turnhalle vor, oder so. Aber sobald die Fluglage aufgrund von Wind häufig korrigiert werden muss, entweder durch einen selbst oder gerade auch durch den Autopiloten, kann man der virtuellen “Tanknadel” beim fallen zuschauen. Diesem Problem kann man natürlich mit zusätzlichen Akkus begegnen, die wir jedem dringend als Herz legen, der sich eine solche Drohne zulegen will. Die Musterlösung ist das natürlich auch nicht – man kann den Akku ja schlecht im Flug wechseln. Und für bestimmte Flugmanöver – insbesondere den automatischen Flip – braucht der Akku, vermutlich aus Sicherheitsgründen – eine bestimmte Restkapazität. Die wurde bei unserem Testlauf immer wieder so spontan und plötzlich unterschritten, dass wir einen echten Flip nur ein-, zweimal hinbekommen haben. Dann war’s allerdings ziemlich cool ;-)
Aber, Parrot sei Dank, deutet sich eine Lösung an…dazu später mehr.

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Überzeugt hat uns auf jeden Fall die Robustheit der Drohne. Leugnen zwecklos…irgendwann fällt sie mal runter. Ob einen überraschend die Akkuladung im Stich lässt oder sich überraschend eine Windböe des Fluggeräts bemächtigt, sobald die Rotoren stehen bleiben (was sie bei Kontakt mit einem festen Gegenstand sofort tun) demonstriert die Drohne eindrucksvoll, warum sich ein Stück Kunstoff üblicherweise nicht von alleine in der Luft hält. Doch die Parrot AR.Drohne schüttelt sich einmal (im wahrsten Sinne des Wortes, wie man im Video sehen kann) und ist nach einem Neustart sofort wieder flugbereit. Respekt!
Wenn man wie wir aber erstmal über Nachbars Garten übt, entwickelt man schnell ein Gefühl dafür, was geht und was nicht.

So, fliegen mit der Drohne ist awesome! Hätten wir das also geklärt. Aber halt, da war ja noch was: die Kamera. Wie sinnvoll kann man die Kamera einer Parrot AR.Drohne denn nun einsetzen?

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Die Kamera ist starr in den Rumpf integriert, ein unabhängiges Ausrichten ist nicht möglich. Und da beginnt nun das Problem. Schnurgerade Über- und Vorbeiflüge sind ohne Probleme möglich, für aufwändigere Flugmanöver muss das Wetter und die Steuerung mitspielen.

Die Qualität der Aufnahmen kann nicht restlos überzeugen, aber für Action Aufnahmen reicht es allemal. Das liegt nicht nur an der Wackelei, sondern auch an den grundsätzlichen Defiziten der Kamera. Das Bild ist etwas fischaugig und die Farben und Kontraste saufen ab. Nun haben wir das Ganze bei spät-herbstlichem Wetter ausprobiert. Bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel mag das anders aussehen – aber unterm Strich findet die Kamera schnell ihre Grenzen. Trotzdem hat so eine Aufnahme das gewisse Etwas. Schon bei unseren Testvideos kam dieses “Cool!” Gefühl auf, wenn wir uns das Ergebnis später angesehen haben. Wenn wir es denn konnten…

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Die Drohne bietet die Möglichkeit einen USB Stick anzuschließen und auf diesem die Aufnahmen zu speichern – gute Idee, ist man damit doch nicht von der eventuell mal fickerigen WLAN Verbindung abhängig. Stürzt die Drohne allerdings ab, wird das laufende Video anscheinend nicht richtig beendet und die Aufnahme ist beschädigt. Mit dem einen oder anderen Kniff lassen sich die korrupten Files öffnen und retten. Hat man also eine gute Szene im Kasten, empfiehlt es sich auf jeden Fall mal zu speichern und eine neue Datei anzulegen. Wär’ ja schade drum.

War das schon alles?

Nein, natürlich nicht. Parrot hat sich ja nicht umsonst für die Software-Lösung der Steuerung entschieden. Wir reden hier eher von einem System aus Soft- und Hardware. Und nachdem wir uns ausgiebig zum Flieger ausgelassen haben, sagen wir jetzt mal was zur Software.

Die gibt’s in den jeweiligen App Bezugsquellen unter Suche nach Parrot oder AR.Drone:

Freeflight…

…ist die eigentliche Steuersoftware. Damit lenkt man die Drohne und bekommt das Live Bild der Kamera dargestellt. Ein fly-by-camera ist sicherlich möglich, in der Praxis aber tricky weil man nicht immer genau abschätzen kann, wie die Drohne sich räumlich gerade zur Umgebung verhält (oder einfacher ausgedrückt…ob sie gleich irgendwo gegen kracht). Man kann die wichtigsten Parameter für den Flug festlegen. Wie bereits erwähnt, kann der Nutzer die maximale Flughöhe und die Steuerart definieren, aber auch in welche Richtung der Flip ausgeführt wird und wie man ihn auslöst.
Über die Freeflight App gewinnt man auch Zugang zum Social Networking ohne den ein solches Gadget heutzutage natürlich nicht mehr auskommt ;) So ist es beispielsweise möglich, seine Flugstatistiken und seine Videos mit anderen Nutzern auf der ganzen Welt teilen.

AR.Rescue & AR.Race…

…sind zwei Spiele die mit dem Software SDK erstellt wurden und ebenfalls im App Store bzw. bei Google Play erhältlich sind. Ich mach es kurz, dieses Feature hat mich überhaupt nicht überzeugt. Man braucht eine optimale Umgebung (besagte windstille Halle wäre nicht schlecht) um daran auch nur ansatzweise Spaß zu haben.

Das Beste zum Schluss – das Update

Das ist nämlich der neue Director Mode, der sich einigen der wichtigsten Probleme annimmt: Kameraeinstellungen, programmierte Steuerung der Kamera und Postprocessing. Das Ganze wurde auf der CES vorgestellt und in einem Promo-Video anschaulich erklärt:

Würden wir hier Sterne oder Punkte vergeben, gäb’s für die neuen Software-Features auf jeden Fall ein Upgrade. Jetzt ist es auch für mich vorstellbar, dass man die Drohne für spezielle und gezielte Aufnahmen einsetzt. Der Bildstabilisator ist bestimmt ein Segen – wenn er denn wirklich richtig funktioniert. Die eigene kreative Idee in ein geeignetes Flugmanöver umzusetzen, dürfte jetzt verhältnismäßig einfach werden. Die Kamera an die Lichtverhältnisse anpassen zu können ist mit Sicherheit auch eine große Hilfe. Ob die Postprocessing Funktionen soviel bringen, weiß ich nicht. Denn um eine nachträgliche Bearbeitung dürfte man in den meisten Fällen nicht herum kommen – und wenn’s nur dazu dient, den Film zu Vertonen.

GPS Integration

Ein neues Feature aus dem Bereich Hardware ist der Flight Recorder, ein GPS Modul, das es erlaubt, den eigenen Flugweg in der Online Datenbank AR.Drone Academy zu speichern und mit anderen “Piloten” zu teilen. Das ist jetzt per se nicht sooo ein interessantes Feature für mich. Meine Aufmerksamkeit richtete sich eher auf eine weitere Ankündigung des folgenden Promo-Videos, und zwar die Möglichkeit, über eine Dritt-App einen Flugplan per Wegpunkte bestimmen zu können…

Jetzt heisst das Ding ja nicht umsonst Flight Recorder. In dieses Accessory ist nämlich ein Flash Speicher eingebaut. Das ist nur konsequent, weil das Modul den USB Steckplatz belegt in dem man sonst den Speicherstick benutzt hätte.

Aber halt, war nicht der Akku die größte Spaßbremse bisher? Und wir Smartphone und Tablet Nutzer wissen ja, was angeschaltet GPS mit einem Akku macht…

Mehr Power!

Diese Schwachstelle hat Parrot wohl auch erkannt und spendiert der AR.Drone 2.0 einen neuen 1500 mAh Akku. Der ist auch ohne Verwendung des GPS Moduls auf jeden Fall sinnvoll, dürfte aber dann mit dem Ding unbedingt “überlebenswichtig” sein.

Man darf gespannt sein, in wieviel Netto-Flugzeit sich die zusätzliche Kapazität am Ende umwandeln lässt. Aber uns haben für die spektakulären Flugmanöver immer ein, zwei Minuten gefehlt und die dürfte der neue Akku auf jeden Fall bringen.

Fazit

Hätten wir diesen Artikel noch vor der CES veröffentlicht, so wie wir das mal vorhatten, wäre das Fazit vermutlich so ausgefallen: Super witziges, nicht grad kostengünstiges Spielzeug mit der einen oder anderen signifikanten Macke – vor allem der Akku.
Dank der Ankündigungen auf der CES sieht das jetzt etwas anders aus.

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Parrot hat anscheinend eine wirklich zielführende Analyse der gröbsten Probleme der AR.Drone durchgeführt und überzeugend klingende Lösungen entwickelt. Das Grundsystem mit High Density Battery und Freeflight + Flight Director Software verdient eine uneingeschränkte Empfehlung. Allerdings wollen rund 274€ (bei getgoods.de) ausgegeben werden. Und den 1500 mAh Akku wird’s auch nicht umsonst geben (Standard Akku derzeit ca. 25€). Ob man das GPS braucht, muss man am Ende selber wissen. Ich würde auf jeden Fall warten, bis das Flugplan Feature über Wegpunkte verfügbar ist.
Kein günstiger Spaß. Aber einer, der sich rechnet…

Fotos: Parrot

11 Gedanken zu “Parrot AR.Drone 2.0 – Die fliegende Kamera [Test]

  1. Habe heute das erste mal die Drone ausprobiert. Nach 2 Min. fliegen war Schluss! Die Drone hat den Kontakt verloren und ist stehen geblieben. Seither wird das W-Lan der Drone nicht mehr auf dem IPad angezeigt. An was liegt das? Was mache ich falsch!

  2. hallo

    kann ich irgendwo das orginal material (bild und film) bekommen? damit ich mir einen eigenen eindruck der qualität der kamera machen kann?

    dann wie sieht es aus mit dem GPS empfänger.. der ist ja erhältlich.. funktioniert das mit den punkten? bisher habe ich immer gemeint dass man jeden punkt lizenzieren muss!?

    ein bekannter hat mir gesagt.. dass fernbedienung mit ipad und iphone NICHT erlaubt seinen.. resp. dass bei einem unfall resp. schaden.. die (vorgeschriebene) modellflugversicherung den schaden NICHT übernimmt.. ist das so? es muss ein RC sender sein!!??

    was ist die realistische reichweite dieses teils?

    danke für die antworten..
    gruss
    roger

    • Ich hab mal bei mir auf der Festplatte nach dem Originalmaterial gesucht. Hab’s aber wohl nach dem Schneiden gelöscht. Es gibt aber einen Haufen Foren, die sich speziell mit der Parrot.AR beschäftigen. Da wird man sicher fündig. Und fundierte Antworten auf die restlichen Fragen gibt’s da sicher auch. Damit können wir hier leider nicht dienen.

  3. Hallo,

    kann ich die Drohne also auch fliegen, wenn ich selbst in keinem Wlan Netz bin? z.B draußen auf dem Feld, oder muss ich immer zu Hause im Wlan sein?

    Vielen Dank

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