Microsoft Surface RT: Taugt das Windows Tablet doch etwas!? [Test]

Das Microsoft Surface RT – da scheint man sich Land rauf, Land runter einig zu sein – gilt als ziemlicher Rohrkrepierer. Doch ist das Ding wirklich so mies? Ich hab mir das Gerät vor etwa sechs Wochen (eher ungeplant) zugelegt, und habe es seitdem regelmäßig im Einsatz. Und ich muss sagen, dass ich dem Surface, bei aller berechtigter Kritik, durchaus Positives abgewinnen kann. Für manch unentschlossenen Tablet-Käufer könnte sich gleichsam mal einen Blick darauf lohnen.

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Moment, wird der eine oder andere Stammleser jetzt denken – das Ding ist doch gar nicht von Apple. Es stimmt schon, normalerweise gilt meine eiserne Maxime: wenn kein angebissenes Obst drauf ist, interessiert’s mich nicht (mehr).
Dieser Fall ist aber etwas anders gelagert. Daher zu Beginn eine kleine Anekdote, wie ich auf die Idee kam, mir wider dem allgemeinen Trend ein Surface RT zu kaufen. Wen die so gar nicht nicht interessiert, spult einfach vor.

Die Anekdote: “Tja, wenn die mein Geld nicht wollen…”

Vor sechs Wochen befand ich mich beruflich in den USA (meine Gedanken zu einer praktikablen Gadget-Ausstattung für unterwegs gibt’s hier), und wie so üblich begann nach getaner Arbeit die Jagd nach einem passenden Mitbringsel. Da die Mall, in der man uns abgesetzt hatte, etwas ab vom Schuss lag, wähnte ich mich in relativer Sicherheit, nicht zu einem hochpreisigen Impulskauf animiert zu werden. Ein Blick auf die Liste der vorhandenen Geschäfte belehrte mich aber eines Besseren. “Apple” prangte da direkt unter der Überschrift “Electronics”.

Na gut, dachte ich mir, nur mal reinschauen. Schadet ja nichts. Im Apple Store wurde ich dann verhältnismäßig schnell fündig, beschloss ich doch, dass so ein 11 Zoll Mac Book Air hervorragend in die eher subjektiv wahrgenommene denn tatsächlich vorhandene Lücke zwischen einem iPad Mini und meinem Macbook Pro passen würde.
Bummelig 1.000 Euro sind jedoch nicht mal eben so ausgegeben. Und neben dem Pferdefuß mit der US QUERTY-Tastatur verhinderte die eine oder andere Frage, die ich noch hatte, den Spontankauf. Ich bin ehrlich, wenn sich in diesem magischen Moment ein engagierter Verkäufer in den Entscheidungsprozess eingeschaltet hätte, wär’s wohl um mich geschehen gewesen. Doch es tat sich NICHTS. Keiner der 16 anwesenden Blueshirts fühlte sich gemüssigt, sich um mich zu kümmern. Und DAS…kann ich gar nicht leiden.

Also ging’s wieder raus an das Info Board der Mall, woraufhin mein Blick an einer Zeile weiter unten haften blieb: “Microsoft”. “Es gibt Microsoft-Shops? Muss ich sehen!”, dachte ich mir und machte mich auf in einen Laden der sich als eine Art Apple Store in Bonbon-Farben entpuppen sollte. Was soll ich sagen: Dort nahm man sich fast eine Stunde Zeit, mich in das Surface einzuweisen, was ich wiederum mit dem Kauf würdigte.
Nicht das hier ein falscher Eindruck entsteht: Das war kein reiner Mitleidskauf. Für mich gab’s drei ausschlaggebende Gründe, es mal mit dem Surface zu versuchen. Aber erstmal ein paar Worte zum Tablet an sich…

Zeitloses Design!?

Erstmal mein allgemeiner Eindruck vom Surface. Keine Sorge, ich hab – wie bei uns üblich – nicht vor, hier irgendwelche Specs zu wälzen. Aber von vorne: Microsoft hat auf jeden Fall verstanden, dass die Anschaffung eines solchen Tablets mehr ist, als einen PC aus einer neutralen Verpackung aus brauner Pappe und Styropor zu schälen. Die Box des Surface kommt recht hochwertig daher und setzt sich mit ihrem Querformat auf jeden Fall von der Konkurrenz ab.

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Wenn man das Tablet dann in der Hand hält, fällt mal eins gleich auf: Da haben sie wohl das gleiche geschmacksverirrte Design-Genie rangelassen, das seinerzeit braun und eckig als Parole für den Zune Player festlegte. So ein Surface ist verhältnismäßig dick und auch kein Leichtgewicht. Das gestreckte Querformat mutet zunächst auch etwas ungewohnt an. Mit anderen Worten, das Surface ist meilenweit von der Eleganz eines iPads oder den edlen Formen hochwertiger Android Tablets entfernt. Wenn man es das erste Mal in die Hand nimmt, fühlt es sich an, wie es aussieht – wie ein großes, kantiges Stück Plastik. Microsoft nennt das Design “zeitlos” – kein Wunder, der Mensch hat den Backstein vermutlich noch vor dem Rad erfunden.

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Merkwürdigerweise liegt das Surface nach dem ersten Schock nicht unangenehm in der Hand, wenn man es so mit sich herum trägt. Keine Ahnung, wie sie das gemacht haben, aber ich finde es überhaupt nicht unhandlich. Ein aussagekräftiger Stresstest ist da für mich das Boarden eines Flugzeugs und zwar der Moment, wenn alle Fluggäste in einer Perlenschnur darauf warten, dass der Einzige, der sich nicht an die Reihenfolge beim Boarding halten konnte, in Reihe 7 sein Handgepäck verstaut hat und den Gang freigibt. Bose Quiet Comfort locker um den Hals, Aktentasche in der einen, Surface in der anderen Hand: kein Problem!

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Auffälliges Merkmal ist natürlich der herausklappende Standfuss, der übrigens nicht, wie einem das Werbung oder diverse product placement Auftritte in US-Serien (siehe insbesondere Hawaii Five-0) glauben machen wollen, mit dem prägnanten “Klack” ausgefahren wird. Dieses akkustische Privileg ist der Tastatur vorbehalten.

Touchen oder Tippen? Die Tastaturen

Während für andere Tablets, insbesondere für das iPad, der Wunsch nach einem echten Keyboard blitzschnell durch die Zubehörindustrie erfüllt wurde (wir haben uns ja auch schonmal eine von Logitech angeschaut), gibt’s das Surface mit nativen Tastaturen, die nicht über Bluetooth sondern über eine proprietäre Schnittstelle mit dem “Mutterschiff” Kontakt aufnehmen. Das hat den Vorteil, dass man das Keyboard besser in das Bedienkonzept einbinden kann. Soll heissen, wenn die Tastatur dran ist, erwartet das Tablet auch die Eingabe darüber. Klappt man die Tasten nach hinten, schaltet das Surface automatisch auf die Toucheingabe um.

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Über die beiden Arten von Tastaturen wurde anderswo auch schon viel geschrieben. Ich habe mich für das Touch Cover entschieden, weil ich fand, dass mit dem Type Cover irgendwie das Tablet-Feeling verloren geht. Mittlerweile hab ich aber diverse Blogs durchstöbert und festgestellt, dass Surface-Nutzer, die was auf sich halten, natürlich beide besitzen. Mal schauen, ob ich mich irgendwann in diesen Kreis einreihe – ganz billig ist der Spaß ja nicht.
Ehrlich jetzt, Schnäppchenjäger aufgepasst! Für mich – diesen Teil den Fazits ziehe ich mal vor – ist ein Surface ohne Tastatur nichts Halbes und nichts Ganzes – kalkuliert das auf jeden Fall mit ein, wenn ihr einen Kauf in Erwägung zieht. Also nochmal minimum 109 Euro on top!

Drei gute Gründe für das Surface

Hier also die Quintessenz dessen, was mich am Surface einfach überzeugt hat, und warum manch einer die Idee, sich Microsofts mobilen Spross zuzulegen, nicht vorschnell von der Hand weisen sollte.

1: Office

Dass ich mal Microsofts Bürosoftware auf eine Pro-Liste setzen würde, hätte ich mir auch nicht träumen lassen. Ich gehöre nämlich zu den Leuten, die sich von einem Flaschengeist neben Weltherrschaft und kalorienlosen Burgern als dritten Wunsch einen persönlichen Microsoft-Softwareingenieur ordern würden, um ihn jederzeit während der Office-Nutzung fragen zu können: “Warum macht es das jetzt?”.

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Aber – und da beisst die Maus keinen Faden ab – weite Teile der Generation Powerpoint sind halt auf die eine oder andere Weise an Word, Excel und Konsorten gebunden. Und bei einem Surface ist das einfach mal alles mit dabei. Mag sein, dass zu einem vollwertigen Office der eine oder andere Bausteine fehlt, aber das hat sich bei mir im täglichen Umgang noch nie als Problem herausgestellt. Out-of-the-Box selbst die krüppeligsten Dateien im Original öffnen zu können, ist ein Feature, dass die Konkurrenz meines Erachtens immer noch nicht bieten kann. Wer also viel und (mehr oder weniger) gerne mit Office arbeitet, wird hier selig.

2: Datei-Explorer

Zugegeben, es wirkt irgendwie ungelenk und unfertig, wenn man aus der schnieken MetroUI auf die alte Desktop Ansicht wechseln muss. Allerdings hat dieses Mehr-Desktop-als-Tablet-Feature auch seine Vorteile. Als ich nämlich letztens beim Daddeln parallel Videos von der Netzwerkfestplatte anschauen wollte (Second Screen und so), musste ich die erst umständlich über iTunes mit dem iPad synchronisieren und meine Versuche über Android dranzukommen, waren auch nicht wirklich von Erfolg gekrönt (dafür gibt’s sicher irgendeine App).

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Nicht so beim Surface. Anstandslos konnte ich über die Netzwerkumgebung – wie vom Desktop aus – auf alle Dateien zugreifen und die auch noch direkt vom NAS abspielen. Das ist nur ein Beispiel für überaus vertrautes Datei-Handling. Zugriff auf (einen Teil des) Dateisystems gibt’s natürlich auch bei Android – aber so heimisch wie in einem echten Datei-Explorer fühlt sich das nicht an.

3: USB

Verhasst bei allen IT-Sicherheitsleuten, geliebt von allen, die schnell größere Dateimengen umschaufeln müssen: der USB Stick! Am iPad hab ich das nie vermisst – vermutlich, weil ich eh nicht gewusst hätte, was ich mit den Dateien hätte anfangen sollen. Die drei Android Geräte, die ich besitze, bieten einen ähnlichen Service über MicroSD. Vergleichen kann man das nicht.

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Ein USB-Port ist natürlich kein Alleinstellungsmerkmal eines Surface. Hier spielen alle drei genannten Faktoren aber prima zusammen. Selbst der letzte Tablet-Skeptiker ist recht schnell überzeugt, wenn auf einem USB Stick eine aufwändige Powerpoint-Präsentation im Datei-Explorer anklickt wird und sich die Datei dann in der original Software öffnen und auch noch verhältnismäßig komfortabel bearbeiten lässt. Natürlich geht das auch mit einem Net- oder Ultrabook erreichen…aber trennt da mal die Tastatur ab und benutzt es als echtes Tablet, oder beschafft eins für den Preis eines Surface RT.

Fazit

Surface für alle? Sicher nicht. Ich hab da meine ganz persönliche Theorie zu Tablets und die sieht sich auch immer wieder bestätigt. Der Otto-Normalverbraucher will ein iPad. Und der einzige Grund ernsthaft von diesem Plan abzuweichen ist entweder der Preis oder ein herausragendes Feature. Von letzterem hab ich noch nicht so furchtbar viele gesehen. Das Surface ist aber eventuell so ein Fall. Tablet + Tastatur liegen preislich auf Augenhöhe mit iPad oder einem entsprechendem Android-Klon. Vom Äußeren und in der Bedienung kann es natürlich nicht mithalten und der App Store weisst auch immer noch eklatante Lücken auf. Aber das sind Dinge die sich über die Zeit vermutlich bessern und für viele casual user auch zu Verschmerzen sein werden.

Hand hoch, wer unter den Neuveröffentlichungen eine Premium App entdeckt... Und man beachte unten links! O.O

Hand hoch, wer unter den Neuveröffentlichungen eine Premium App entdeckt… Und man beachte unten links! O.O

Nach sechs Wochen stelle ich auch irgendwie immer mehr fest, dass das Surface eigentlich kein Tablet im herkömmlichen Sinne ist, es wird nur – Achtung bilinguales Wortspiel incoming – an der Oberfläche wie eins bedient. Unter der Haube ist das mal mehr (Surface Pro) mal weniger (Surface RT) immer noch ein Windows Rechner. Die drei positiven Eigenschaften, die ich aufgezeigt habe, machen es aber für all jene interessant, die kein Geld mehr in die (für mich) obsolete Produktkategorie Netbook investieren wollen und denen Ultrabooks einfach zu teuer sind. Das Surface ist da so eine Art Zwitter – ein Wanderer zwischen den Welten. Wer sich in die wundersame Welt der mobilen Gadgets wagen will aber sich immer noch – und wenn auch nur aus Gewohnheit – mit Windows verbunden fühlt, sollte sich das Surface mal ernsthaft anschauen.
Wie ich eingangs ja schon schrieb – einen Blick ist es auf jeden Fall wert.

13 Gedanken zu “Microsoft Surface RT: Taugt das Windows Tablet doch etwas!? [Test]

  1. Als iPad-Nutzer der ersten Stunde muss ich sagen, dass Microsoft beim Hardware-Design des Surface ganze Arbeit geleistet hat. Dieser Tastaturdeckel ist genial, ebenso die Möglichkeit, das dort verbaute Trackpad zu benutzen. Dateiexplorer, USB usw. bringen das Teil deutlich näher an einen echten Computer und damit an den Produktiveinsatz, während das iPad hier meiner Ansicht nach nicht sonderlich gut ist.
    Leider hat MS wie sooft die Software verbaselt – dieses Windows RT ist suboptimal für die Tablet-Bedienung.

    • Bei aller berechtigter Kritik. Ich finde so lange man sich in den Kacheln bewegen kann, funktioniert das alles super. Wechselt man auf den Desktop hat es sich mit dem Tablet-Feeling leider echt erledigt. Also das Phänomen, das man schon auf nicht-Touch PCs erleben kann – nur umgekehrt.

  2. ich habe überlegt mir das surface rt als ersatz für meinen Laptop zu kaufen..Das problem ist nur, dass ich sehr gerne mit meinem laptop auf den beinen auf meinen bett liege und ich weiß nicht ob das mit dem surface geht. Hast du da vllt. eine antwort dazu? :) )

    • Ja das geht ganz gut. Mit ausgeklapptem Kickstand und befestigter Tastatur steht das Surfbrett erstaunlich stabil. Tendenziell würde ich aber zum Type Cover raten, weil das nochmal eine Ecke starrer ist. Als Notebook Ersatz ist das vermutlich eh besser.

  3. Der ganze Artikel ist zwar schon etwas älter, aber vielleicht hilft es ja dennoch jemandem.
    Unter http://WWW.msbildung.de verschachert Mircrosoft noch bis zum 31.8. die Surface RT 32gb für absolut kleines Geld. Nur das Tablet für rund 190€, incl. Type cover für 282€.
    Wer also irgendwie eine Schul-, oder Studienbescheinigung zur Hand hat, der kann hier zugreifen!

    Für jeden der wirklich nur den Browser und Officeanwendungen nutzt, für den ist dieses Angebot unschlagbar. Wer auf eine x86 CPU Architektur wert legt, der sollte die Finger davon lassen.

    Scheinbar verkauft sich wegen der CPU des rt und damit verbundenen inkomplatiblität vieler Software das rt nicht gut und soll somit aus den Lägern verschwinden.

    • Hast du das so getestet ich habe wiederum auf einigen anderen Seiten gelesen das man dass surface in diesem Angebot ausschließlich über die schule / uni bestellen kann und nicht einfach dadurch dass man eine Schul-, oder Studienbescheinigung zur Hand hat

  4. Ich bin am überlegen mir das Surface RT zu kaufen. Da hier ja sonst viele Appleprodukte getestet werden hoffe ich hier Antwort auf eine meiner letzten Fragen zu bekommen: Kann ich mein iPhone 4s über W-Lan, BT oder USB-Kabel verbinden und als Hotspot verwenden? Bevorzugt wäre W-Lan.

    Besten Dank vorab!

      • Meine Bedenken kommen daher das ich bei Microsoft auf der Seite einen Kompatibilitätstest gesehen hab bei dem das Iphone 4 als kompatibel angezeigt wurde, das 4s aber als nicht kompatibel.

        Allerdings funktioniert das per WLAN mit meine Windows Rechner. Und da das Surface mein Iphone als WLAN erkennen sollte dürfte es, denke ich, wirklich keine Probleme geben. Mich hat nur das auf der Seite von Microsoft verunsichert. Ich hatte gehofft hier in der Redaktion wird das so gehandhabt oder wurde zumindest mal getestet.

        • Ich hätte da gerne weitergeholfen. Leider hat keiner von uns ein iPhone 4S. Auf der Microsoft Support Seite wird bei der Nutzung von mobilen Hotspots über WLAN oder Bluetooth aber keine Einschränkung gemacht.

  5. Moin,
    Ich bin momentan stark am überlegen ob ich mir ein surface rt 32-gb hole weil es momentan nur noch 329€ kostet was mich jedoch zögern lässt sind 2 fragen 1. Ist es möglich auf mein Smartphone (android) wenn ich den Speicher als usb anbinde zuzugreifen z.B. Lieder vom surface aufs Smartphone oder umgekehrt ?
    2. Gibt es die Windows 8 app VBA8 für das Surface ?
    Danke im vorraus

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